Bei der Rentner-Wallfahrt verletzt

Eine Seniorin stürzt und reißt eine andere zu Boden: Schmerzensgeld?

onlineurteile.de - Zwei alte Frauen - sie kannten sich nicht - nahmen an einer Rentner-Wallfahrt teil. Zufällig gingen sie nebeneinander her, Frau A auf dem Gehweg und Frau B auf der Straße. Plötzlich stürzte Frau A und riss unabsichtlich Frau B mit um. Während Frau A wieder aufstehen konnte und weiter ging, schlug Frau B beim Hinfallen unglücklich mit dem Kopf auf. Sie verletzte sich am Kopf und erlitt zudem einen Oberschenkelhalsbruch.

Mit dem Rettungswagen wurde Frau B in eine Klinik gebracht und mehrmals operiert. Es folgte eine langwierige Rehabilitationsmaßnahme. Von Frau A forderte die Verletzte 5.000 Euro Schmerzensgeld, weil diese schuldhaft ihren Sturz verursacht habe. Unsinn, meinte die Beschuldigte: Sie habe das Gleichgewicht verloren und sei unfreiwillig hingefallen. Von Schuld könne da doch keine Rede sein.

Doch das Landgericht Mühlhausen sah das anders und sprach Frau B die geforderte Summe zu (1 O 846/10). Im Fallen habe Frau A natürlich keine Kontrolle mehr über ihren Körper gehabt. Sie habe Frau B durch eine unwillkürliche Bewegung mitgezogen. Ihren eigenen Sturz habe sie aber selbst ausgelöst. Warum Frau A stolperte, habe sie nicht erklären können.

Wenn keine Umstände vorlägen, die auf Fremdeinwirkung hindeuteten, gelte in solchen Fällen der Grundsatz: Wer auf einem Gehweg stürze, habe nicht genug aufgepasst. Der Unfall sei auf die Unachtsamkeit von Frau A zurückzuführen, was zumindest den Vorwurf leichter Fahrlässigkeit begründe. Angesichts der gravierenden Folgen für Frau B sei eine Entschädigung von 5.000 Euro angemessen.