Bei Operation Tuch im Unterleib vergessen

Frauenklinik muss Patientin für jahrelange Qualen entschädigen

onlineurteile.de - Die Sterilisation ist eigentlich eine kleine, unkomplizierte Operation. Doch damit begann für eine Frau ein jahrelanger Albtraum aus Schmerzen und Übelkeit bis hin zur Ohnmacht. Manchmal schien ihr das Leben fast unerträglich, immer wieder ging sie zu ihrer Frauenärztin. Neun Jahre nach der Sterilisation ließ die Patientin die Gebärmutter entfernen - nichts besserte sich. Dann, 17 Jahre später, wechselte sie schließlich die Frauenärztin. Die "Neue" stellte einen Knoten im Unterleib fest und ließ erneut operieren. Dabei stießen die Ärzte auf ein 13 cm langes Tuchband, das mit der Sterilisationsnarbe verwachsen war. Nachdem das Tuch entfernt war, hörten auch die Schmerzen der Patientin auf. Doch etwas Genugtuung wollte sie von der Frauenklinik schon haben für all die peinvollen Jahre.

Das Landgericht Braunschweig hielt 8.000 Euro für ein angemessenes Schmerzensgeld (4 O 2339/02). Das Tuch habe zu starken Verwachsungen und ständigen Entzündungen im Unterleib geführt. Über Jahre hinweg habe die Patientin an so starken Schmerzen gelitten, dass sie in ihrem täglichen Leben und auch bei der Erziehung der Kinder stark eingeschränkt war, ständig zu Schmerzmitteln greifen und zum Frauenarzt gehen musste.

Auf der anderen Seite könne man den operierenden Ärzten der Frauenklinik zwar einen Fehler, aber kein schwerwiegendes, unentschuldbares Fehlverhalten vorwerfen. Laut Sachverständigengutachten veränderten sich Fremdkörper wie Bänder oder Tücher bei einer Operation durch Blut und Sekrete so stark, dass man sie oft kaum noch erkennen könne. Sie seien dann leicht zu übersehen - eine nie ganz auszuschließende Gefahr.