Bei Rot über die Ampel

Grobe Fahrlässigkeit oder zu entschuldigendes "Augenblicksversagen"?

onlineurteile.de - Die Mutter lag im Sterben, der Sohn war auf dem Weg zu ihr. In Gedanken versunken, wartete er mit seinem Wagen vor einer roten Ampel. Plötzlich fuhr er los - obwohl die Ampel immer noch Rot zeigte. Auf der Kreuzung stieß er mit einem von links kommenden Auto zusammen. Als der Rotlichtsünder Reparaturkosten von ca. 8.000 Euro bei seiner Kaskover- sicherung meldete, winkte diese ab: Man werde den Schaden nicht regulieren, denn er habe den Unfall grob fahrlässig verursacht.

Da zog der Mann vor Gericht und pochte auf mildernde Umstände. Schließlich habe er um seine Mutter gebangt und dann habe noch jemand hinter ihm gehupt. Doch von drei Unfallzeugen, die im Prozess aussagten, hatte keiner ein Hupsignal gehört. Für das Oberlandesgericht Hamm stand damit fest, dass der Rotlichtverstoß grob fahrlässig war (20 U 44/04).

Man hätte sein Fehlverhalten entschuldigen können, wenn er - abgelenkt durch die Gedanken an seine Mutter - tatsächlich durch ein Hupsignal unter Druck gesetzt worden wäre. Das sei aber wohl nur eine Schutzbehauptung gewesen. Er sei also einfach losgefahren, ohne noch einmal auf die Ampel zu schauen. Auch wenn er in Sorge um seine Mutter gewesen sei, könne man das nur als grob fahrlässig bewerten.