Beim Einfädeln Vorfahrt missachtet

Unfallverursacher versucht, dem Vorfahrtsberechtigten Mitverschulden anzuhängen

onlineurteile.de - Welcher Autofahrer hätte nicht schon seine liebe Not damit gehabt, als Wartepflichtiger eine Lücke in einer Kolonne aufzuspüren und sich einzufädeln! Wer sich, wie vorgeschrieben, "vorsichtig hineintastet", hat häufig keine Chance - wer zu forsch fährt, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung und riskiert einen Unfall. Mit so einem Fall hatte es das Kammergericht in Berlin zu tun (12 U 140/01). Der wartepflichtige Fahrer hatte beim Einfädeln in die Schlange auf der Hauptstraße die Vorfahrt missachtet, der nächste Fahrer in der Schlange war auf seinen Wagen aufgefahren. Vom "Einfädler" wurde der Vorfahrtsberechtigte auf Schadenersatz verklagt.

Wer als "Quereinsteiger" mit einem Wagen aus der vorfahrtsberechtigten Kolonne zusammenstoße, sei daran in der Regel selbst schuld, erklärten die Richter. Der wartepflichtige Autofahrer habe nicht genug aufgepasst oder sich hineingedrängt, anstatt sich vorsichtig vorzutasten. "Hineintasten" bedeute: Wartepflichtige müssten beim Einfädeln in eine Fahrspur zentimeterweise vorrollen, um notfalls sofort anhalten zu können.

Vergeblich drängte der "Einfädler" auf eine Mithaftung des Unfallgegners. Ein Vorwurf wäre dem Vorfahrtsberechtigten nur zu machen, so die Richter, wenn er in dieser Situation noch die Möglichkeit gehabt hätte, den Unfall zu vermeiden. Das hätte der wartepflichtige Fahrer aber beweisen müssen; aus den Fahrzeugschäden sei das nicht zu erschließen, wie ein Gutachter festgestellt habe.