Beim Finanzamt unvollständige Quittungen eingereicht

Wer haftet für höhere Steuern - die Geschäftsfrau oder ihr Steuerberater?

onlineurteile.de - Eine Frau handelte mit gebrauchten Paletten und Gitterboxen, die sie gegen Bares kaufte. Die Lieferanten unterschrieben die Quittungen jeweils nur mit dem Nachnamen. Vornamen und Adressen der Zahlungsempfänger fehlten. Das wurde bei einer Außenprüfung des Finanzamts beanstandet. Vorher hatte die Geschäftsfrau die quittierten Beträge voll als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt. Nun stellte sich das Finanzamt quer: Da sie die Geschäftspartner nicht benenne, würden die Einkäufe nur noch zu 20 Prozent als Betriebsausgaben anerkannt. In Folge dessen musste die Frau mehr Steuern zahlen. Dafür wollte sie ihren Steuerberater haftbar machen: Der habe sie nicht darüber informiert, wie Barquittungen aussehen müssten.

Dass die Quittungen nicht den Vorschriften entsprächen, hätte der Steuerberater wissen müssen, stellte der Bundesgerichtshof fest (IX ZR 384/99). Wenn Betriebsausgaben durch Barquittungen belegt würden, müssten die Zahlungsempfänger eindeutig zu identifizieren sein. Werde der Empfänger nicht benannt, liege der Verdacht auf Schwarzmarktgeschäfte nahe: Meist solle so dem Empfänger ermöglicht werden, die Einnahme nicht zu versteuern.

Das müsse einem Steuerberater klar sein. Trotzdem hafte der Mann nicht für seinen Beratungsfehler. Denn die Steuerpflichtige hätte die nötigen Angaben ohne Weiteres beim Finanzamt nachreichen können. Der Betriebsprüfer habe ihr bei der Außenprüfung mitgeteilt, dass sie die Empfänger von Betriebsausgaben mit vollem Namen und ihren Adressen nennen müsse. Hätte die Geschäftsfrau das getan, wäre der Steuerbescheid nicht zu ihrem Nachteil geändert worden. Sie habe es also selbst in der Hand gehabt, den Schaden zu vermeiden.