Beim Überholen Gegenverkehr "übersehen"

Grobe Fahrlässigkeit des Autofahrers und/oder "Augenblicksversagen"?

onlineurteile.de - Nach einem Zusammenstoß bei einem Überholmanöver forderte ein Autofahrer von der Kaskoversicherung, die Reparaturkosten für seinen Wagen zu übernehmen. Wer trotz Gegenverkehr überhole, handle grob fahrlässig und verliere den Versicherungsschutz, bekam er zur Antwort.

Auch das Oberlandesgericht Karlsruhe gab keine günstigere Auskunft (12 U 151/03). Der Versicherungsnehmer sei in einer leicht gezogenen Rechtskurve ausgeschert, um einen voll besetzten Kleinbus vor ihm zu überholen. Dabei sei vor dem Kleinbus ein höherer Lastwagen gefahren, so dass der Autofahrer in der Kurve die Straße nach vorne nicht überblicken konnte. In einer so unklaren Situation hätte er nicht überholen dürfen: Überholen sei nur erlaubt, wenn der Autofahrer sicher sein könne, niemanden zu gefährden.

Hartnäckig behauptete der Autofahrer, die Rechtskurve sei gut einsehbar gewesen. Er habe das entgegenkommende Auto "schlicht und ergreifend übersehen", es handle sich also um ein "Augenblicksversagen" und nicht um grobe Fahrlässigkeit. Mit diesem Einwand konnte er bei den Richtern allerdings nicht landen: Den Gegenverkehr ohne besonderen äußeren Grund zu übersehen, deute gerade darauf hin, dass der Versicherungsnehmer die "beim Überholen gebotene Aufmerksamkeit" nicht aufgebracht habe. "Augenblicksversagen" schließe grobe Fahrlässigkeit keineswegs aus.