Beim Wenden mit Motorrad kollidiert

Autofahrer will die Schuld am Unfall auf den Motorradfahrer abwälzen

onlineurteile.de - Ein Autofahrer fuhr vom rechten Fahrbahnrand aus los, um zu wenden. Vor dem Lastwagen, der sich von hinten näherte, würde er leicht noch auf die andere Straßenseite kommen, dachte er. Zu seinem Pech übersah er jedoch einen Motorradfahrer, der den Laster gerade etwas zu flott überholt hatte - und stieß mit dem Motorrad zusammen.

Wenden darf man nur, wenn jede Gefährdung anderer durch das riskante Manöver ausgeschlossen ist. Dennoch rechnete sich der Autofahrer eine Chance aus, als er den Motorradfahrer auf Schadenersatz verklagte: Der sei mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen und habe so den Unfall verschuldet, warf er dem Unfallgegner vor. Dem widersprach das Oberlandesgericht (OLG) Celle (14 U 2/09).

Die Kollision müsste der Motorradfahrer nur dann auf seine Kappe nehmen, wenn sie bei korrekter Geschwindigkeit vermeidbar gewesen wäre, so das OLG. Das treffe aber nicht zu. Kritisch sei die Situation erst geworden, als das Auto deutlich nach links schwenkte und für den Motorradfahrer erkennbar wurde, dass der Autofahrer wenden wollte. Zu diesem Zeitpunkt habe der Motorradfahrer den Lastwagen aber schon überholt gehabt und sei nur noch mit ca. 50 bis 55 km/h gefahren.

Sein Verkehrsverstoß habe daher nicht zu dem Unfall geführt, ein Verschulden des Motorradfahrers sei nicht bewiesen. Im Unterschied dazu stehe fest, dass der Autofahrer beim Wendemanöver nicht die nötige "erhöhte Sorgfalt" an den Tag gelegt habe. Er hafte daher allein für den Unfallschaden.