Beim Wort genommen

Spontane Äußerung am Unfallort gibt den Ausschlag im Schadenersatzprozess

onlineurteile.de - Verkehrsunfall an einer Ampel: Eine Autofahrerin fuhr bei Grün langsam an. Der nachfolgende Wagen fuhr auf. Dennoch verlangte ausgerechnet der Auffahrer Schadenersatz von der Unfallgegnerin. Er behauptete, sie habe ihr Auto plötzlich und ohne erkennbaren Grund bis zum Stillstand abgebremst und so den Unfall verschuldet.

Seine Klage scheiterte beim Kammergericht in Berlin (12 U 165/02). Und zwar an der Notiz eines Polizeibeamten, der den Unfall aufgenommen hatte. Danach hatte ihm der Mann am Unfallort mitgeteilt: "Ich bin angefahren und auf den Pkw vor mir drauf, da dieser zu langsam fuhr". Von einem Bremsmanöver der Autofahrerin stand in der Unfallmeldung nichts. Darüber habe der Autofahrer am Unfallort kein Wort gesagt, bestätigte der als Zeuge vernommene Polizeibeamte.

Das überzeugte die Richter: Erfahrungsgemäß seien "spontane und unverfäschte Äußerungen der Unfallbeteiligten am Unfallort richtig". Das Bremsmanöver sei nur ein vorgeschobenes Argument des Auffahrenden. Wenn die Frau nicht gebremst habe, trage sie keine Schuld an dem Zusammenstoß.