Berufliche Fortbildung auf Reisen

Steuerzahler können die Kosten für "gemischte" Reisen zum Teil absetzen

onlineurteile.de - Mit Beginn des Jahres hat der Bundesfinanzhof (BFH) das so genannte Aufteilungsverbot aufgehoben: Aufwendungen, die nicht in voller Höhe, sondern nur teilweise "beruflich veranlasst" waren, wurden bis dahin nicht als Werbungskosten anerkannt und vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Das galt auch für Fortbildungsreisen, die mit Urlaub verbunden waren.

Vom "Schwenk" des BFH profitieren nun auch Steuerzahler, die schon lange mit dem Fiskus über eine Fortbildungsreise streiten: Ein angestellter Unfallarzt hatte 1999 an einem sportmedizinischen Wochenkurs am Gardasee teilgenommen. Mediziner können durch die Teilnahme an solchen Kursen den Zusatztitel "Sportmediziner" erwerben: 120 Stunden sind insgesamt zu absolvieren. Die Ärztekammer hat auch den Kurs am Gardasee als Bestandteil der Sportmedizin-Fortbildung anerkannt.

Frühmorgens und am späten Nachmittag standen Vorträge auf dem Programm, dazwischen war "Praxis" angesagt: Surfen, Segeln, Bergsteigen, Tennis … Bei seiner Einkommensteuererklärung für 1999 wollte der Mediziner die Kurskosten von 3.212 DM steuermindernd berücksichtigt wissen. Das lehnten die Finanzbeamten ab, weil die Reise überwiegend dem privaten Interesse an Sport gewidmet gewesen sei.

Die Klage des Arztes gegen den Steuerbescheid hatte beim Finanzgericht Erfolg, das zumindest die Hälfte der Kosten als Werbungskosten anerkannte. Der BFH bestätigte das Urteil (VI R 66/04). Das Finanzgericht hatte die Reisekosten entsprechend den Zeitanteilen der medizinischen Vorträge (beruflich veranlasste Reisezeit) und den Zeitanteilen der sportlichen Übungen (privat veranlasste Reisezeit) aufgeteilt.

So sei es korrekt, entschied der BFH: Wenn eine Reise teils beruflichen, teils privaten Zwecken diene, könnten Steuerpflichtige die beruflich bedingten Kosten als Werbungskosten geltend machen - vorausgesetzt, der Reiseteil, der für die berufliche Fortbildung vorgesehen sei, sei vom privaten Urlaubsvergnügen nach objektiven Maßstäben abzugrenzen.