"Besichtigung der Baumängel hier"

Frustrierter Bauherr rächt sich für verschleppte Mängelbeseitigung mit satirischem Schild

onlineurteile.de - Schon im November 1999 hatte der Bauherr gegenüber dem Bauunternehmer den Mangel reklamiert: Der frisch geflieste Balkon war undicht. Erst im April 2000 ließ sich der Bauunternehmer zu einer Antwort herbei, aber es passierte nichts. So ein Verhalten gehört an den Pranger, dachte sich der Bauherr, und machte seinem Ärger Luft. Er stellte vor dem Neubau ein Schild auf: "J. Bauplanung, Besichtigung der Baumängel hier". Der Bauunternehmer fuhr gegen diese Art Protest schweres Geschütz auf und verlangte 21.857 Euro Schadenersatz für "böswillige Schädigung seines Betriebs".

Das Oberlandesgericht Frankfurt wies seine Klage ab (17 U 97/02). Der Ärger des Bauherrn sei verständlich, betonten die Richter. Schließlich habe sich der Bauunternehmer trotz steter Mahnungen des Auftraggebers mit der Ausbesserung des verpfuschten Balkons eineinhalb Jahre Zeit gelassen. Erst Ende Mai 2001 habe er den Belag neu abgedichtet und verfliest. Angesichts monatelanger Bemühungen des Bauherrn um Abhilfe könne man es nicht als "böswillige Schikane" bezeichnen, wenn der frustrierte Auftraggeber ein ironisch gemeintes Hinweisschild aufstelle, um seinen Unmut kundzutun.