Betrogener Ehemann erschießt Nebenbuhler

Täter muss der Witwe Rente zahlen und Beerdigungskosten ersetzen

onlineurteile.de - Die zwei Familien waren schon lange befreundet. Herr X stammte aus Kroatien und betrieb auf den Werften in Bremerhaven eine Leiharbeitsfirma. Mit Frau S verband ihn mehr als Freundschaft, die beiden hatten "ein Verhältnis". Frau S bat ihren Ehemann eines Morgens, am Nachmittag zu einer Aussprache in das Haus von X zu kommen. Bei diesem Treffen kam es zu einem heftigen Streit. Herr S erschoss X mit einer Pistole.

Das Landgericht Bremen verurteilte ihn wegen Mordes zu 14 Jahren Gefängnis. Die Witwe ließ den Leichnam ihres Mannes nach Kroatien überführen und dort beerdigen. Von S forderte sie Ersatz für die Beerdigungskosten und eine monatliche Rente. Herr S war der Ansicht, der Verblichene sei mitschuldig daran, dass er ihn getötet hatte: Immerhin habe er ihn mit seiner Frau betrogen. Angesichts dieser "ehewidrigen Beziehung" müsse er, S, nicht alleine für die finanziellen Folgen einstehen.

Das Oberlandesgericht Bremen wies diese Argumentation zurück und gab Frau X Recht (2 U 77/06). Im Falle einer Tötung müsse der Täter demjenigen die Kosten der Beerdigung ersetzen, der diese Kosten laut Gesetz tragen müsse. Das sei hier die Witwe. Zu den Kosten zählten das Grab, die Feier, der Grabstein, Trauerkleidung und Todesanzeigen. Da Herr X aus dem früheren Staat Jugoslawien stammte, sei auch nichts dagegen einzuwenden (trotz der erheblichen Kosten von 3.900 Euro für die Überführung), dass ihn die Witwe in seiner Heimat beerdigen ließ.

Das "ehewidrige Verhalten" von X begründe kein Mitverschulden an seiner Tötung. Herr S habe ihn aus Wut über die Affäre vorsätzlich getötet. Das sei durch nichts zu rechtfertigen. Den Anspruch der Witwe könne S nicht mit dem Hinweis auf das Fehlverhalten ihres Mannes abwehren.