Betrügerischer Versicherungsagent

Versicherungsunternehmen haftet für Verlust, wenn die Anlagevermittlung zum Aufgabenkreis des Agenten gehört

onlineurteile.de - Das Anlagevermittlungsunternehmen, für das Generalagent H. tätig war, gehörte zu einer Versicherungsgruppe. H. betreute ein Ehepaar in Versicherungsfragen und erfuhr von dessen Schwarzgeldkonto in Luxemburg. Er überredete die Kunden, ihr Kapital bei einem Investmentfonds anzulegen. Der Antrag zur Eröffnung eines Investmentkontos enthielt den Hinweis: "Die Vermittler sind nicht berechtigt, Geld oder andere Zahlungsmittel, z.B. Schecks, entgegenzunehmen".

Davon ließen sich die Kunden nicht abschrecken. Sie hoben 200.000 DM in Luxemburg ab und zahlten sie nach und nach auf ein Konto von H. bei einer deutschen Bank ein. H. veruntreute das Geld. Mit seiner Klage auf Schadenersatz gegen das Versicherungsunternehmen erreichte das Ehepaar nur einen Teilerfolg: Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs blieben die Anleger auf 40 Prozent des Schadens sitzen (III ZR 258/04).

Im Prinzip hafte die Versicherungsgruppe für das Verschulden ihres Generalagenten, weil die Vermittlung von Vermögensanlagen zu dessen beruflichen Aufgaben gehörte. Dessen Fehlverhalten müsse sich die Versicherung zurechnen lassen; dass er keine Inkassovollmacht hatte, ändere daran nichts. Doch die Kunden hätten sich in diesem Fall so leichtsinnig verhalten, dass die Versicherung nur 60 Prozent der veruntreuten Summe ersetzen müsse.

Die Eheleute hätten H. eine außerordentlich große Geldsumme anvertraut, ohne auch nur annähernd über die Art der Geldanlage informiert zu sein. Um den schriftlichen Hinweis auf dem Antragsformular, dass Vermittler keine Anlagegelder kassieren dürften, hätten sich die Kunden nicht gekümmert. Stattdessen hätten sie sorglos ihr geparktes Schwarzgeld in mehreren Tranchen dem H. direkt aufs Konto eingezahlt.