Betrunkener Autofahrer flüchtet vor der Polizei

Aus Versehen angeschossen - kein Geld von der Unfallversicherung

onlineurteile.de - Mit Freunden auf Zechtour, war der Autofahrer gegen 22 Uhr mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Er war so betrunken, dass er nicht einmal langsamer fuhr, als ein Polizeiwagen auftauchte. Im Gegenteil: Der Mann überholte die Polizisten sehr flott. Die Beamten nahmen sofort die Verfolgung auf. Nachdem der Autofahrer einen anderen Wagen wild überholt und nach rechts abgedrängt hatte, musste er bei Rotlicht an einer Kreuzung anhalten.

Einer der Polizisten stieg aus, um den Wagen zu kontrollieren - doch der Autofahrer flüchtete. Das wiederholte sich einige Male, bis er endlich aufgab. Einer der Polizeibeamten ging mit gezogener und entsicherter Waffe auf das Auto zu. Dabei löste sich ein Schuss und traf den betrunkenen Fahrer, der mittlerweile ausgestiegen war, in den Bauch. Im Krankenhaus wurde bei dem schwer verletzten Mann eine Blutalkoholkonzentration von 2,18 Promille festgestellt.

Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Widerstands gegen Polizeibeamte verurteilte ihn ein Amtsgericht zu einer Geldstrafe. Als der Übeltäter wieder gesund war, wandte er sich an seine private Unfallversicherung und verlangte Invaliditätsleistungen und Unfallkrankenhaustagegeld. Das Landgericht Dortmund wies seine Zahlungsklage ab (2 O 122/06). Es sei zwar ein Unfall gewesen, so die Richter, Versicherungsschutz bestehe hier aber nicht. Denn der Verletzte habe den Unfall zumindest indirekt verursacht - durch Trunkenheit und Flucht. Daher müsse die Unfallversicherung nicht für die Folgen einspringen.

Durch seine (alkoholbedingt auffällige) Fahrweise habe der Versicherungsnehmer die Polizisten auf sich aufmerksam gemacht und dann eine wilde Jagd ausgelöst. Dass mehrere Fluchtversuche eine scharfe Reaktion der Beamten herausforderten, liege auf der Hand. Aus gutem Grund vermuteten die Polizeibeamten Straftäter im Fluchtauto, hielten den Fahrer für gefährlich. Selbst wenn der Polizist im kritischen Moment falsch reagiert haben sollte, wäre dies dem Verletzten zuzurechnen: Denn er habe mit seinem Fehlverhalten diese gefährliche Situation herbeigeführt, in welcher der Polizist die Waffe ziehen musste, um sich abzusichern.