Bierzelt-Bands streiten ums Repertoire

Nur individuelle Schöpfungen sind vom Urheberrecht geschützt

onlineurteile.de - Ein Bandleader sah rot: Ein Saxofonist, der lange in seiner Bierzeltkapelle mitgeblasen hatte, gründete selbst eine Band. Nun zog er als Konkurrent ebenfalls auf bayerischen Festivitäten wie dem Oktoberfest herum und spielte das gleiche Repertoire: so genannte Medleys von Stimmungshits. So gehe es nicht, fand der Bandleader, er habe die Arrangements geschrieben, die der Konkurrent nun identisch nachspiele. Noch dazu mit den gleichen Showeinlagen - ein klarer Fall von Verletzung des Urheberrechts auf "Tonkunst", die mit Geldstrafe geahndet werden müsse.

Unsinn, konterte der Saxofonist, er spiele nicht die Arrangements des Ex-Chefs, sondern die gleichen Songs wie hundert andere Coverbands auch. Jede Band bemühe sich, sie möglichst nahe am Original "rüberzubringen". Beim Landgericht München I trafen die Kontrahenten auf einen sachverständigen Richter, der selbst als Saxofonist und Sänger bei einer Münchner Big Band mitgewirkt hatte. Er hörte sich in die Arrangements einiger Hits ein (z.B. "99 Luftballons") und konnte darin keine "eigenschöpferischen Elemente" entdecken (21 O 8437/05).

Es handle sich um typische Medleys, eine bloße Abfolge hintereinander gespielter Songs. Die Stücke seien gekürzt, aber ansonsten unverändert, ohne individuelle Überleitungen. Sie in der immergleichen Reihenfolge zu spielen, mache ein Medley nicht zu einem neuen, eigenständigen (und damit geschützten) Werk. Das gelte auch für die Show: Angesichts des begrenzten - "und von tausend anderen Partybands" bereits strapazierten - Repertoires von Hits und Showeinlagen, die Stimmung erzeugen sollten, sei es auch schwer vorstellbar, dass der Bandleader "eigene neue Stilmittel gefunden" hätte, anstatt nur alte und bekannte Elemente zu kombinieren. Der Konkurrent durfte also weitermachen.