"Blutgrätsche" vor dem Tor?

Fußballspieler haften nur für Verletzungen durch "rohe und rücksichtslose Spielweise"

onlineurteile.de - Bei einem Bayernligaspiel im Sportpark Unterhaching lief ein Feldspieler mit dem Ball in Richtung Tor. Der Torwart lief aus dem Tor heraus und ihm entgegen. Bei dem Zusammenprall erlitt der Feldspieler einen Unterschenkelbruch. Er musste ins Krankenhaus, ging zwei Monate an Krücken. Für die restliche Bayernligasaison fiel der Mann aus. Der Schiedsrichter schickte den Torwart wegen Fouls vom Platz.

In einem Prozess um Schmerzensgeld vor dem Landgericht München I ging es um die Frage, ob der Torwart rücksichtslos vorgegangen war (34 O 13010/05). Denn bei einem "Kampfspiel" wie Fußball haften Spieler für Verletzungen nur, wenn sie grob regelwidrig vorgehlen. Das bestritt der Torwart: Dies sei, 13 Meter vor dem Strafraum, ein normaler sportlicher Zweikampf gewesen. Er habe durchaus eine Chance gehabt, den Ball zu erreichen.

Die Richterin des Landgerichts rekonstruierte das Ereignis mit Hilfe von Zeugen und Fotos. Sie konnte keine absichtliche "Blutgrätsche" erkennen (= mit gestrecktem Bein in das Bein des Gegners hineingrätschen, ohne Chance, dabei den Ball zu treffen). Das wäre eine grobe Regelwidrigkeit gewesen. Die beiden Sportler hätten um den Ball gekämpft und seien dabei zwangsläufig zusammengestoßen, befand die Richterin. Der Ball sei noch im Spiel gewesen, als der Torwart in torwarttypischer Abwehrposition versucht habe, den Spieler am Torschuss zu hindern. Deshalb hafte er für die Folgen des Fouls nicht. (Der Feldspieler legte gegen das Urteil Berufung ein.)