"Cabrio Typ X" war nicht von Hersteller X ...

... sondern "zusammengewürfelt": Autohändler hätte das bemerken müssen

onlineurteile.de - Der Autohändler hatte das gebrauchte, vermeintliche "X Cabrio" von Privatmann T bekommen, um dessen Wert zu prüfen. Dann hatte er es gekauft und an den Kunden W weiterverkauft. Der erklärte sehr bald den Rücktritt vom Kaufvertrag, weil er festgestellt hatte, dass das Cabrio aus allen möglichen Fahrzeugteilen zusammengebaut war. Man habe ihm den Wagen als Fahrzeug von Hersteller X verkauft, reklamierte W: Das sei falsch, das Auto daher mangelhaft.

Der Händler musste den Kaufpreis wieder herausrücken und verklagte nun seinerseits Verkäufer T auf Schadenersatz. Keine Chance, erklärte das Oberlandesgericht Frankfurt dem Händler: Dass das Cabrio nicht von X stammte, hätte er als Fachmann einfach bemerken müssen (16 U 59/09).

T habe ihm den Wagen (inklusive Kfz-Schein und -brief) ausdrücklich mit dem Auftrag übergeben, den Ankaufspreis zu schätzen. Wenn er bzw. seine Mitarbeiter Papiere und Auto gründlich untersucht hätten, wäre ihnen der "Mangel" nicht entgangen: Schon in Zeile 2 des Fahrzeugbriefs - dessen Daten ein Mitarbeiter in den Computer eingab! - stehe in der Rubrik Hersteller: "sonstiger Kfz-Hersteller" und nicht Hersteller X.

Am Ende des Kfz-Briefs stehe im "Raum für weitere Eintragungen", dass es sich hier um einen Ersatzbrief handle und die Fahrzeugbeschreibung aufgrund eines Gutachtens nach § 21 der Zulassungsordnung erstellt wurde. Als Autoprofi müsse der Händler wissen, was das bedeute: Eine Betriebserlaubnis gemäß diesem Paragraphen müsse nur beantragt werden, wenn ein Fahrzeug nicht zu einem genehmigten Typ gehöre.

Damit sei vollkommen klar gewesen, dass die Bezeichnung des Fahrzeugs als "X Cabrio" nicht zutraf. Die Nachlässigkeit seines Mitarbeiters müsse sich der Autohändler zurechnen lassen. Er hätte das Cabrio nicht als "X Cabrio" weiterverkaufen dürfen. Gegenüber Herrn T könne sich der Händler als Autoexperte nicht auf einen Mangel des Wagens berufen, nur weil er einem "X Cabrio" ähnlich sehe. Herr T schulde ihm keinen Schadenersatz.