"Coming-out" eines Ehemannes ...

... rechtfertigt keine Härtefall-Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres

onlineurteile.de - Das Bekenntnis ihres Ehemannes traf die Frau wie ein gewaltiger Schock: Nach all den Ehejahren, in denen sie zwei Töchter großgezogen hatten, eröffnete er ihr, dass er homosexuell sei und dies nun auch offen zu leben gedenke.

Die Frau reichte sofort die Scheidung ein und beantragte die Anerkennung eines Härtefalls. Denn das Trennungsjahr wollte sie nicht abwarten: Schließlich lebe sie in einem Dorf, in dem sie jeder kenne, argumentierte sie. Ihr soziales Ansehen würde durch den schwulen Ehemann stark leiden.

Das Oberlandesgericht Nürnberg sah darin jedoch keine besondere Härte, die eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres rechtfertigte (10 WF 1526/06). Die Homosexualität des Mannes allein stelle keinen Härtefall dar; sie werde in der Bevölkerung immer mehr akzeptiert. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbiete es, Homosexuelle auf diese Art zu diskriminieren.

Dass sich der Mann nach langer Ehe plötzlich dazu bekannt habe, mache es für die Ehefrau nicht unzumutbar, mit der Scheidung bis zum Ende des Trennungsjahres zu warten. Außerdem sei der Mann sofort weggezogen und auch die erwachsenen Töchter lebten nicht mehr im Dorf. Die Frau selbst arbeite woanders und nicht an ihrem Wohnort. Auch praktisch gesehen sei also kein Anlass erkennbar, der für einen Härtefall spreche.