Crash an der Tankstelle

Wer rückwärts fahrend ungebremst gegen ein stehendes Auto kracht, haftet allein für den Unfallschaden

onlineurteile.de - Frau A hatte getankt und das Benzin bereits bezahlt. Um zu wenden und das Tankstellengelände zu verlassen, fuhr sie zügig rückwärts von der Zapfsäule weg. Dabei stieß sie mit Karacho gegen den Wagen von Herrn B, der gerade auf das Gelände eingefahren war.

B forderte vom Haftpflichtversicherer der Frau A den Unfallschaden ersetzt: Sie habe den Unfall grob fahrlässig verursacht. Frau A konterte allerdings mit einer Gegenklage und warf dem Kontrahenten vor, er sei vor dem Zusammenstoß verbotswidrig über eine durchgezogene Linie in das Tankstellengelände eingebogen.

Selbst wenn das zuträfe, überwiege hier das Verschulden der rückwärts Fahrenden bei weitem, entschied das Landgericht Saarbrücken (13 S 140/12). B habe Anspruch auf Schadenersatz in voller Höhe. Die Einfahrt über die durchgezogene Linie sei nicht grundsätzlich verboten, sondern zumindest für Rechtsabbieger erlaubt. Autofahrer müssten also an der Tankstelle immer damit rechnen, dass hier andere Fahrer einbiegen.

Daher komme es hier nicht darauf an, ob der Unfallgegner korrekt rechts oder ordnungswidrig links aufs Gelände gefahren sei. Zudem habe Herr B sofort den Wagen angehalten, als er das Auto von Frau A auf sich zukommen sah — habe also richtig auf die Situation reagiert.

Dagegen sei die Autofahrerin "völlig ungebremst" gegen das stehende Fahrzeug aufgefahren, wie das Überwachungsvideo der Tankstelle zeige. Offenkundig habe sie nicht nach hinten gesehen und sich vergewissert, ob die Fahrbahn frei sei. Das sei beim Rückwärtsfahren zwingend notwendig. Wie auf dem Video gut zu erkennen, habe Frau A ihre Fahrt trotz des Wagens hinter ihr unvermindert fortgesetzt.