Crash auf unbefestigten Wegen

An Einmündungen gilt "rechts vor links", außer der Fahrer kommt aus einem untergeordneten Feldweg

onlineurteile.de - Autofahrerin A bog von einer Bundesstraße auf eine unbefestigte Straße ab. Schon nach kurzer Strecke kreuzte ein Fahrweg die Straße, auf dem von rechts ein Geländewagen herankam. Er krachte frontal in die rechte Seite des Fahrzeugs von Frau A. Auf der Seite von Fahrerin B eine mäßig zerkratzte Stoßstange, auf der anderen Seite ein ziemlich zerbeultes Auto.

Die Unfallgegnerin habe ihre Vorfahrt missachtet, meinte Frau A. Sie sei auf der breiteren, bevorrechtigten Straße gefahren, Fahrerin B schulde ihr daher Schadenersatz. Frau B warf Fahrerin A jedoch ebenfalls vor, die Vorfahrt ignoriert zu haben: Die beiden Wege seien gleichrangig, also gelte "rechts vor links". Frau A hätte anhalten müssen.

Das Landgericht Dessau-Roßlau gab Fahrerin B in diesem Punkt Recht (5 S 98/11). An der Unfallstelle gelte der Grundsatz "rechts vor links". An Einmündungen habe immer derjenige Vorfahrt, der von rechts komme — nur für Fahrzeuge, die aus einem Feld- oder Waldweg kämen, gelte das nicht.

Frau B habe jedoch keinen Feldweg benutzt: Die unbefestigte, schmale Straße führe zu mehreren Höfen und dürfe von allen Verkehrsteilnehmern (nicht nur von Landwirten) benutzt werden. Was ein Feld- oder Waldweg sei, hänge nicht von der Breite ab, sondern ausschließlich von der Verkehrsbedeutung. Feld- und Waldwege dienten landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Zwecken. Sie führten nicht zu Gebäuden oder Orten, sondern nur zu Feldern oder eben durch den Wald.

Demnach habe hier Frau A gegen die Vorfahrt verstoßen. Doch treffe auch Fahrerin B ein Mitverschulden: Daher müsse sie ein Drittel der Reparaturkosten von ca. 1.500 Euro übernehmen. Denn bei unklarer Verkehrslage müssten Autofahrer besonders aufeinander Rücksicht nehmen. Wenn die Vorfahrt, wie hier, nicht eindeutig feststehe, dürfe keiner uneingeschränkt auf sein Vorrecht vertrauen. Frau B hätte demnach langsam auf die Kreuzung zufahren und nach beiden Seiten schauen müssen.