Dackel "defekt"

Kann der Käufer des Tieres Schadenersatz für Operationskosten verlangen?

onlineurteile.de - Ein halbes Jahr alt war der Rauhaardackel, als die Tierärztin eine Fehlstellung des Sprunggelenks am rechten Hinterlauf feststellte. Das kann zu O-Beinen führen. Der Besitzer wollte die Fehlstellung durch eine Operation korrigieren lassen und verlangte vom Züchter, für die Kosten aufzukommen. Der winkte ab, bot jedoch an, den Hund gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzunehmen oder den Kaufpreis zu mindern.

Doch die Familie hatte den Dackel schon ins Herz geschlossen und wollte ihn behalten. Der Käufer ließ ihn operieren. Am rechten Schienbein wurde eine Lochplatte mit sechs Schrauben eingesetzt, die regelmäßig vom Tierarzt überprüft werden muss (ob sie schmerzfrei sitzt, wie sich das "Laufbild" entwickelt). Vergeblich versuchte der Hundebesitzer, Operationskosten (1.200 Euro) und jährlich anfallende Ausgaben für Nachuntersuchungen (60 Euro) auf den Züchter abzuwälzen.

Der Bundesgerichtshof wies seine Klage ab (VIII ZR 281/04). Die Fehlentwicklung des Knochenwachstums beruhe auf einem genetischen Defekt. Dafür sei nicht der erfahrene und mehrfach ausgezeichnete Hobby-Züchter verantwortlich, der die Zucht professionell und sachkundig betreibe. Am Tag des Verkaufs habe er den "Defekt" des Hundes nicht erkennen können. Selbst die Tierärztin habe ihn erst bei der achten Untersuchung festgestellt.

Wer eine "mangelhafte Sache" verkaufe, sei grundsätzlich verpflichtet, den Mangel zu beheben. Einwandfreie "Ware" zu liefern, sei hier aber unmöglich: Die Korrektur des äußeren Erscheinungsbildes des Dackels sei nur zu haben, indem man andere Nachteile (gesundheitliche Risiken) in Kauf nehme. Das liege in der Natur der Sache. Wenn ein Defekt nicht zu beseitigen sei, gehe der Anspruch des Käufers auf "Nachbesserung" ins Leere. Im Übrigen dürfe ein Verkäufer sich auch weigern, einen Mangel zu beseitigen, wenn dies unverhältnismäßige Kosten mit sich bringe.