Das Fünf-Sterne-Schiff

Mit einer für Hotels entwickelten Güteskala für eine Schiffsreise zu werben, ist unzulässig

onlineurteile.de - Ein Zeitschriftenverlag organisierte in Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter für Leser eine Flusskreuzfahrt: von der Domstadt Köln über Rhein und Main in die Bankenmetropole Frankfurt und zurück. Für die Leserreise warb die Redaktion der Zeitschrift mit einem Artikel, in dem sie den "Fünf-Sterne-Komfort auf dem schönen Schiff" rühmte.

Das fiel einem "Verband zur Förderung gewerblicher Interessen" unangenehm auf, denn für Kreuzfahrtschiffe gilt das Hotel-Gütesystem nicht (Kategorie 1 bis 5 Sterne). Deswegen verlangte der Verband vom Zeitschriftenverlag, das Lob "Fünf-Sterne-Schiff" in der Werbung künftig zu unterlassen. Außerdem fehlten in der Anzeige Angaben zum Reiseveranstalter, bemängelten die Wettbewerbshüter.

Die Journalisten ließen die Einwände nicht gelten und pochten auf die Pressefreiheit: Das sei kein Inserat, sondern ein redaktioneller Bericht über die Leserreise. Der Komfort des Schiffes sei mit demjenigen eines Fünf-Sterne-Hotels vergleichbar — das sei die Meinung der Redaktion. Und die Identität des Reiseveranstalters könnten Verbraucher durch den Hinweis auf die Reiseleitung leicht herausfinden.

Diese Argumente überzeugten das Landgericht Offenburg nicht (5 O 32/12 KfH). Nach Gestaltung und Inhalt des Artikels handle es sich eindeutig um Reklame. Der Bericht ziele einzig und allein darauf ab, Leser als Reiseteilnehmer und zahlende Gäste zu gewinnen. Daher müsse er auch die Identität des Unternehmens, das die Reise anbiete, genau angeben.

Um Lesern die Kreuzfahrt schmackhaft zu machen, werde das Schiff als Unterkunft mit "Fünf-Sterne-Komfort" angepriesen. Das spiele auf ein Bewertungssystem an, das der durchschnittlich informierte Verbraucher von Hotels her kenne. Deshalb verstehe er die Aussage so, als gehöre das Schiff in eine Kategorie mit hohem Komfort — dabei gebe es für Schiffe dieses Bewertungssystem überhaupt nicht.

Wer das nicht wisse, lasse sich von dem Bericht leicht in die Irre führen und buche vielleicht die Kreuzfahrt gerade deshalb, weil er das Schiff für ein schwimmendes Fünf-Sterne-Hotel halte. Tatsächlich könnten Schiffskabinen, insbesondere die Innenkabinen, den Komfortstandard von Zimmern eines Fünf-Sterne Hotels nicht erreichen. Mit dem Begriff "Fünf-Sterne-Schiff" darf der Verlag daher nicht mehr werben.