Den Ehemann mit Sektflasche verletzt

Einmaliger Ausraster führt noch nicht zur Kürzung des Unterhalts

onlineurteile.de - Die Eheleute hatten sich wohl schon lange gegenseitig das Leben zur Hölle gemacht. Beide durchliefen Therapien wegen psychischer Erkrankungen und hatten ansonsten nicht viel gemeinsam. Eines Abends schlug die betrunkene Ehefrau ihrem Mann eine Sektflasche auf den Kopf und verletzte ihn im Gesicht und an den Ohren. Ein anderes Mal erschien sie selbst mit Verletzungen beim Hausarzt und behauptete, ihr Mann habe sie verprügelt. Wie sich später herausstellte, hatte sie sich die Verletzungen selbst beigebracht.

Ungerührt hielt die Frau dennoch an ihren falschen Vorwürfen fest und erstattete sogar Strafanzeige gegen den Mann. Vor lauter Kummer wurde der so beschuldigte Beamte dienstunfähig. Im Scheidungsverfahren bestand er deshalb darauf, seiner Frau den Unterhalt zu streichen. Angesichts der psychischen Probleme beider Ehepartner wäre es unangemessen, jeglichen Unterhalt auszuschließen, erklärte das Oberlandesgericht Schleswig (15 UF 104/05). Das Gericht kürzte ihn statt dessen um die Hälfte.

Allein wegen der gefährlichen Körperverletzung mit der Sektflasche hätten sie den Unterhalt der Frau nicht reduziert, betonten die Richter. Das sei eine "Kurzschlusshandlung im Affekt" und ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Zusammen mit der Verleumdung und der bewusst falschen Strafanzeige sei das Fehlverhalten der Frau gegenüber ihrem Mann jedoch so gravierend, dass es für ihn nicht zumutbar wäre, ihr den vollen Unterhalt zu zahlen.