Denkmalgeschützte Bauruine gekauft

Käufer will das angebliche "Wuchergeschäft" rückgängig machen

onlineurteile.de - Ein Geschäftsmann kaufte 1994 in Mecklenburg-Vorpommern ein unter Denkmalschutz stehendes Herrenhaus von 1696. Für das Gebäude, eine sanierungsbedürftige Bauruine, zahlte er 250.000 DM an einen Verkäufer, der das Grundstück mit Schlösschen zwei Jahre zuvor für nur 21.000 DM erworben hatte. Ein Sachverständiger schätzte damals die Sanierungskosten auf 1,5 Millionen DM. So viel hatte der Käufer nicht übrig.

2001 klagte er auf Rückzahlung des Kaufpreises: 250.000 DM sei ein Wucherpreis und der Kaufvertrag daher unwirksam. Den Prozess vor dem Oberlandesgericht gewann er, doch das Urteil wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben (V ZR 147/05). Wucher setze zweierlei voraus, so die Bundesrichter. Zum einen ein auffälliges Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung. Zum anderen die Ausbeutung einer Zwangslage, von Unerfahrenheit oder eines Mangels an Urteilsvermögen beim Übervorteilten.

Die Wertermittlung von Schlössern und Herrenhäusern sei schwierig, weil für sie kein normaler Grundstücksmarkt existiere. Der Sachverständige habe zwar ausgesagt, der Kaufpreis völlig überhöht gewesen. Allerdings habe der Verkäufer durchaus Anhaltspunkte dafür gehabt, sich damit im Rahmen des Marktüblichen zu bewegen. Denn einige andere Interessenten hätten den gleichen Preis akzeptiert. Damit müsse sich die Vorinstanz nochmals befassen.

Nicht haltbar sei allerdings die Annahme des OLG, das Geschäft belege einen Mangel an Urteilsvermögen beim Käufer. Der Kauf erscheine ökonomisch unsinnig, weil der Sanierungsbedarf groß und die Mittel des Käufers gering waren. So ein unrentables, schlechtes Geschäft abzuschließen, sei vielleicht Folge einer Fehlspekulation. Das sei aber etwas anderes als mangelndes Urteilsvermögen. Ein Diplom-Betriebswirt sei jedenfalls von seinen intellektuellen Fähigkeiten her durchaus in der Lage, Vor- und Nachteile eines Grundstücksgeschäfts sachgerecht zu bewerten.