Depressive Ehefrau suizidgefährdet

Scheidungsantrag des Mannes scheitert trotz langer Trennung

onlineurteile.de - Die depressive Ehefrau wollte es nicht wahrhaben, dass ihre 1990 geschlossene Ehe gescheitert war. Schon im August 2001 hatten sich die Eheleute getrennt. 2002 reichte der Ehemann den Scheidungsantrag ein, um seine Lebensgefährtin heiraten zu können. In der Zwischenzeit war seine Frau mehrfach in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden und bekam einen Betreuer zur Seite gestellt. Sie setzte sich gegen die Scheidung zur Wehr, zuerst vergeblich.

Doch das Oberlandesgericht Schleswig hob das Scheidungsurteil des Familiengerichts wieder auf (15 UF 85/05). Zwar lebten die Eheleute schon über drei Jahre getrennt. Man könne davon ausgehen, dass die Ehe gescheitert sei. Aber es liege ein außergewöhnlicher Härtefall vor: Angesichts hoher Selbstmordgefahr bei der psychisch kranken Frau, die ihre seelischen Reaktionen nicht mehr steuern könne, müsse der Ehemann mit der Scheidung warten, bis medizinische Betreuung sichergestellt sei.

Die Frau halte in "fast wahnhafter Art und Weise daran fest, die Lebensgemeinschaft mit ihrem Ehemann wieder aufnehmen zu können". Sie sei rationalen Argumenten nicht zugänglich, nur therapeutische Hilfe könne da gegensteuern. Der Ehemann müsse sich um ärztliche Betreuung für seine Frau kümmern, um Gefahren für Leben und Gesundheit durch das Scheidungsverfahren auszuschließen. Der Fortbestand der Ehe sei ihm zumindest so lange zuzumuten, bis entsprechende Maßnahmen (z.B. durch das Vormundschaftsgericht) in die Wege geleitet seien.