"Der Oberhammer"

Streit um Kundenfang der Deutschen Telekom AG

onlineurteile.de - Im Frühjahr 2000 startete die Telekom eine Werbekampagne für eine neue Tarifvariante: für einen T-ISDN-Anschluss (= Festnetztelefon plus Fax plus Option Internet) in Kombination mit einem T-Online-Anschluss zum "call-by-call"-Tarif (= Internet ohne Grundgebühr, der Kunde zahlt nur die Minuten, in denen er "surft"). Für diese Kombination warben Telekom und Telekom-Tochter T-Online unter dem Titel "Der Oberhammer": "T-ISDN jetzt T-Online-Anschluss inklusive". Toll, dass "bei einem neuen T-ISDN-Anschluss ... der T-Online-Anschluss jetzt automatisch und kostenlos mitgeliefert wird!". Ein anderer Online-Anbieter fand das überhaupt nicht toll und zog vor Gericht, um dem "wettbewerbswidrigen Kundenfang" ein Ende zu setzen.

Auch der Bundesgerichtshof hielt das Kopplungsangebot für bedenklich (KZR 1/03). Natürlich stehe es neuen ISDN-Kunden der Telekom frei, sich für einen anderen Online-Dienst zu entscheiden. Sie müssten das Angebot von T-Online nicht annehmen. Trotzdem entfalte die gekoppelte Abgabe zweier Dienstleistungen - ISDN-Anschluss auf der einen und Internetzugang auf der anderen Seite - eine problematische "Sogwirkung". Denn die meisten Kunden, die einen ISDN-Anschluss bestellten, seien froh, die Software für den Internet-Zugang sofort installiert zu bekommen. Zu Recht oder zu Unrecht scheuten sie technische Schwierigkeiten, wenn sie die Software anderer Anbieter selbst installierten. Daher gingen durch das Kopplungsangebot viele ISDN-Kunden zu T-Online und damit für andere Anbieter verloren. Da die Telekom bei den Festnetzanschlüssen immer noch den Markt beherrsche, beeinflusse dies den Wettbewerb negativ.