Der störende Zimmergenosse

Urlauber will wegen eines unliebsamen Mitreisenden den Reisepreis mindern

onlineurteile.de - Fast 3.400 Euro war ihm die Traumreise wert — eine 22-tägige Safari durch Sambia, Botswana und Namibia. Herr P buchte für die Rundreise ein halbes Doppelzimmer. Damit war klar: Er musste sich das Zimmer mit einem Unbekannten teilen. Wer welches Zimmer belegte, bestimmte der Reiseveranstalter. Herr P bekam Herrn Q zugeteilt.

Während der Reise erfolgte das böse Erwachen oft schon vor dem Morgen. In der Nacht wandelte der Mitbewohner nämlich auf und ab und schaltete das Licht ein. Er führte Selbstgespräche, futterte Snacks und raschelte laut mit Getränkedosen und Verpackungen. Manchmal verrückte Q sogar Möbel. Mit der Sauberkeit nahm es der nächtliche "Poltergeist" nicht so genau: Die Toilettenbürste fand er völlig überflüssig. Platz brauchte er reichlich: Wie selbstverständlich nahm Q alle Schrankfächer und Tischablagen in Beschlag.

Der unglückliche Herr P wandte sich an die Reiseleiterin. Die hatte eine simple Lösung: Der geplagte Reisegast könne gegen Aufpreis in ein Einzelzimmer ziehen. Das lehnte Herr P jedoch ab. Nach der Reise verlangte er stattdessen vom Reiseveranstalter Geld zurück: Er habe so wenig geschlafen, dass die Reise schon deshalb mangelhaft gewesen sei. Das Unternehmen müsse 20 Prozent des Reisepreises zurückzahlen.

Darauf habe Herr P keinen Anspruch, urteilte das Amtsgericht Köln (142 C 334/12). Wer ein halbes Doppelzimmer buche, um den Reisepreis zu reduzieren, gehe bewusst das Risiko ein, einen Zimmergenossen zu "erwischen", der andere Gewohnheiten und Eigenarten habe. Wenn das "zwischenmenschliche Probleme" nach sich ziehe, könne der Reiseveranstalter dies kaum beeinflussen.

Der Reiseleiter könne und müsse nur bei grober Rücksichtslosigkeit eingreifen. Das Gericht fand die ärgerlichen Eigenarten des Zimmerkollegen zwar ungewöhnlich und sehr lästig, aber dennoch im Bereich des "Normalen". Wenn P zufällig ein "Schnarcher" zugeteilt worden wäre, hätte er auch nicht schlafen können. Ohrstöpsel hätten da eventuell geholfen. Jedenfalls müsse man mit so etwas rechnen, wenn man ein halbes Doppelzimmer buche.

Unerträglich seien die Störungen wohl nicht gewesen. Sonst hätte es der Urlauber nicht abgelehnt, einen Zuschlag für ein Einzelzimmer zu zahlen — da hätte er endlich seine Ruhe gehabt. Und so schwer falle die gestörte Nachtruhe nicht ins Gewicht, dass dieser Mangel ernsthaft den Zweck der Reise in Frage gestellt hätte: Fauna und Flora Afrikas kennen zu lernen. Diese Chance habe P trotz des unliebsamen Mitreisenden wahrnehmen können.