Der Strick hing noch ...

Kein Versicherungsschutz: Selbstmord ist kein Unfall

onlineurteile.de - Die Umstände waren eindeutig: Ein Steuerberater wurde mit Strangulationsfurche am Hals tot in seinem Büro aufgefunden. Vom ersten Obergeschoss hing ein Seil (ohne Schlinge) bis ins Erdgeschoss hinunter, in dem der Tote lag. Nur über das Motiv, selbst Hand an sich zu legen, rätselte man lange - vor allem die Ehefrau. Sie meinte, es könne auch ein Unfall gewesen sein. Die Witwe musste noch einen weiteren Schock verkraften: Die für den Fall eines Unfalltodes abgeschlossene Zusatz-Versicherung pochte auf ihre Versicherungsbedingungen und verweigerte die Zahlung. Bei Selbstmord gebe es keinen Versicherungsschutz.

Die Klage der Witwe gegen das Unternehmen scheiterte beim Oberlandesgericht Düsseldorf (4 U 223/01). Es sei bewiesen, so die Richter, dass sich der Versicherte mit dem Seil erhängt habe. Der Mann sei ein passionierter Segler und mit Seilen und Knoten (auch mit selbstlösenden) vertraut gewesen. Für ein kaschiertes Verbrechen oder eine Art Knotentest gebe keinerlei Anhaltspunkte.

Rätselhaft an dem Selbstmord blieb, dass der Mann völlig unauffällig das Haus verlassen und keinen Abschiedsbrief geschrieben hatte. Es waren auch keine Motive wirtschaftlicher, familiärer oder gesundheitlicher Art erkennbar. Trotzdem: Eine andere (versicherte) Todesursache sei unvorstellbar, lautete das abschließende Fazit des Gerichts.