Die ausgehungerten Wildschweine

Jagdrevierpächter haftet für geplündertes Maisfeld eines Landwirts

onlineurteile.de - Im April 2012 säte ein Landwirt auf einer Ackerfläche Mais an, die in einem Jagdgebiet lag. Über die Aussaat fielen nach ein paar Tagen hungrige Wildschweine her — ratzeputz vertilgten sie die Maispflanzen. Der Landwirt beauftragte einen Fachmann damit, den Wildschaden zu ermitteln: Er schätzte ihn auf 1.561 Euro.

Diesen Betrag sollte der Pächter des Jagdreviers dem Landwirt in voller Höhe ersetzen. So lautete der "Vorbescheid über Wildschäden", den die Gemeinde dem Jäger schickte. Dessen Einspruch gegen den Bescheid wurde vom Amtsgericht Soltau abgewiesen: Schließlich wäre es die Aufgabe des Jagdpächters gewesen, die Wildschweine in Schach zu halten und Wildverbiss zu verhindern.

Der Jäger legte gegen das Urteil Berufung ein und warf dem Landwirt Mitverschulden vor: Er hätte ihm mitteilen müssen, dass er auf dem Acker Mais angepflanzt habe. So sah es auch das Landgericht Lüneburg und reduzierte den Schadenersatz (10 S 3/13).

Prinzipiell hafte natürlich der Jagdpächter für Wildschäden in seinem Revier, so das Landgericht. Aber die Bauern müssten laut Jagdgesetz ihre Anpflanzungen auch selbst schützen — das sei hier nicht geschehen. Dabei habe der Landwirt die Leibspeise von Wildschweinen angebaut, Maisfelder seien besonders gefährdet.

Obendrein habe der Jagdpächter nicht wissen können, dass der Landwirt Mais anpflanzen würde. Denn auf dem betreffenden Feld sei erst Winterrogen und dann als Zwischenfrucht Ölrettich angebaut worden. Daher hätte der Landwirt den Jagdpächter über die Aussaat von Maispflanzen informieren müssen. Dann hätte der Jäger vorbeugend tätig werden können.

Da der Landwirt nichts unternommen habe, um den Wildverbiss zu verhindern, müsse er ein Drittel des Schadens selbst tragen. Demnach stehe ihm eine Entschädigung von 1.040 Euro zu.