Die letzten Mieter im Plattenbau ...

Vermieter kann kündigen, wenn Abriss die einzig vernünftige Lösung ist

onlineurteile.de - In einer ostdeutschen Plattenbausiedlung hatte sich zwischen 1995 und 2000 die Einwohnerzahl fast halbiert. Viele Wohnungen standen leer, weil die Bewohner wegzogen. In einem Gebäude mit 176 Mietwohnungen lebte zuletzt nur noch ein Ehepaar, das um keinen Preis ausziehen wollte. Die kommunale Wohnungsgesellschaft wollte das Gebäude abreißen und bot dem Ehepaar Ersatzwohnungen an. Später lockte sie das Paar sogar mit einer Abfindung von 20.000 Euro - nichts half.

Zuletzt kündigte die Wohnungsgesellschaft und klagte auf Räumung, als sich das Paar danach immer noch weigerte, das Haus zu verlassen. Die hartnäckigen Mieter warfen ihr vor, sie habe die jetzige Lage selbst geschaffen und nach und nach alle alten Bewohner aus dem Haus gedrängt, anstatt den Wohnblock zu sanieren.

Die Wohnungsgesellschaft habe die Gründe für die Kündigung nicht selbst zu verantworten, widersprach das Amtsgericht Jena (22 C 1182/02). Sie habe auf die Entwicklung der Bevölkerungszahl seit der Wiedervereinigung keinen Einfluss, die letztlich zum Leerstand im Stadtviertel geführt habe. Deshalb löse auch eine Sanierung das Problem nicht: Auch sanierte Wohnungen stünden in der Plattenbausiedlung leer.

Für die Wohnungsgesellschaft sei es nicht länger zumutbar, die horrenden Unterhaltskosten für leere Gebäude zu tragen - ein Abriss sei die beste Lösung. Warum die Mieter angesichts einer eher bedrohlichen Wohnsituation (als einzige Bewohner in einem großen Block) alle Angebote der Vermieterin ausschlügen, sei nicht nachvollziehbar. Der Gedanke dränge sich auf, sie hätten "gepokert", um ihr Mietrecht möglichst teuer zu verkaufen.