Diebstahl im Hotel

Wurde der Zimmerschlüssel an der Rezeption ungenügend beaufsichtigt?

onlineurteile.de - In einem Mittelklassehotel auf Mallorca mit 125 Betten verbrachte ein deutscher Gast seinen Sommerurlaub. Während er tagsüber unterwegs war, wurden aus seinem Hotelzimmer Wertgegenstände gestohlen. Schnell war der Polizei klar, dass der Dieb die Zimmertür mit dem passenden Schlüssel geöffnet hatte. Daraufhin verklagte der Urlauber den Reiseveranstalter auf Schadenersatz, weil das Hotel die Schlüssel nicht sicher genug verwahrt habe. Offenbar habe der Portier nicht genügend aufgepasst, meinte er, und dem Dieb den Schlüssel übergeben. Der habe wohl an der Rezeption nur die Zimmernummer nennen müssen, um den Schlüssel zu bekommen.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf wies die Klage des Urlaubers ab (18 U 193/02). In keinem Hotel der Welt finde an der Rezeption eine Ausweiskontrolle statt, in einem Haus dieser Größenordnung wäre sie praktisch nicht durchführbar. Der Portier müsse die Gäste auch nicht nach ihrem Namen fragen, bevor er ihnen den Zimmerschlüssel aushändige. Das würde die Sicherheit nicht erhöhen: Ein zum Diebstahl entschlossener Täter habe viele Möglichkeiten, Namen und Zimmernummern zu erfahren.

Wahrscheinlich habe der Dieb den Schlüssel gestohlen, während der Portier abends die Rezeption kurzfristig verließ. Auch das sei nicht zu verhindern, jedenfalls nicht mit zumutbaren Vorsichtsmaßnahmen. Der Hotelier könne nicht jede Nacht einen zweiten Portier einteilen - für die wenigen Momente, in denen sich der Portier entferne und die Schlüssel unbeobachtet blieben. 125 Schlüssel in einem abschließbaren Safe zu verwahren, sei ebenfalls nicht praktikabel. Das Hotel entspreche im Punkt Sicherheit landesüblichem und internationalem Standard.