Doktortitel steuerlich absetzbar?

Aufwendungen für die berufliche Qualifikation können Werbungskosten sein

onlineurteile.de - Lange Zeit galten die Kosten einer Promotion (Erwerb des Doktortitels) und andere Ausgaben für die Berufsausbildung als "privat veranlasste Aufwendungen". Sie wurden vom Finanzamt bestenfalls als Sonderausgaben steuermindernd berücksichtigt, d.h. bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. Nach neuer Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sind jedoch Ausgaben für die berufliche Qualifikation, z.B. für ein Studium, unter gewissen Bedingungen als Werbungskosten anzuerkennen, die in voller Höhe absetzbar sind.

Das kann auch für Promotionskosten gelten, entschied der BFH kürzlich (VI R 96/01). Im konkreten Fall ging es um eine Krankengymnastin, die ein Medizinstudium begonnen hatte. Sie wollte Fachärztin für Orthopädie werden und verfasste in diesem Fachgebiet auch eine Doktorarbeit. Beim Finanzamt war die Frau mit ihrem Antrag abgeblitzt, die Kosten für Studium und Promotion von ihren zu versteuernden Einkünften als angestellte Krankengymnastin abzuziehen.

In solchen Fällen komme es darauf an, ob der Doktortitel für das berufliche Fortkommen von erheblicher Bedeutung sei, so der BFH. Bei Ärzten treffe dies zweifellos zu. Mit der Promotion habe die Krankengymnastin ihre medizinischen Kenntnisse vertieft und sich konkret auf die Berufstätigkeit als Fachärztin vorbereitet. Daher seien die Aufwendungen als "beruflich veranlasste Werbungskosten" einzustufen und voll von der Steuer abzusetzen.