Dreijährige von Moped verletzt

Mitverschulden der Eltern, die sie mit dem siebenjährigen Bruder weggehen ließen

onlineurteile.de - Die Eltern hatten ihre zwei Kinder, eine dreieinhalb Jahre alte Tochter und einen siebenjährigen Sohn, schon öfter allein zum Spielplatz gehen lassen. Der liegt 200 Meter von der Wohnung entfernt. Am Unfalltag hatte die Mutter den Kindern versprochen, sie bald mit dem Vater dort abzuholen. Dann würden sie zusammen Eis essen gehen. Die Kinder vergnügten sich etwa eine Viertelstunde auf dem Spielplatz, dann wanderten sie schon mal in Richtung Eisdiele. Plötzlich lief die Kleine vom Gehweg auf die Straße und wurde von einem Moped erfasst.

Das Mädchen erlitt einen Schädelbruch und leidet bis heute unter den Folgen. Der Haftpflichtversicherer des Mopedfahrers übernahm die Behandlungskosten und verklagte die Eltern: Sie sollten für 70 Prozent der Kosten haften, weil sie ihre Aufsichtspflicht grob fahrlässig verletzten. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe sah ebenfalls ein Mitverschulden der Eltern, bewertete ihre Verantwortung jedoch nur mit 30 Prozent (1 U 186/11).

Ihnen grobe Fahrlässigkeit anzulasten, sei übertrieben, so das OLG. Die Kinder seien zuvor schon mehrmals allein zum Spielplatz gegangen und dabei verdeckt von den Eltern kontrolliert worden. Dabei habe es keine Zwischenfälle gegeben. Leichtsinnig sei es allerdings schon, die Kinder unbeaufsichtigt ziehen zu lassen. Denn das kleine Mädchen müsse man ständig beobachten. Das überfordere den sehr verspielten (noch nicht eingeschulten) großen Bruder, der sich im Straßenverkehr selbst noch nicht ganz sicher bewege.

Der Gedanke, dass die Kinder möglicherweise in ihrer Vorfreude auf das Eis nicht am Spielplatz auf die Eltern warten, sondern auf eigene Faust den (verkehrsreicheren, gefährlicheren) Weg zur Eisdiele einschlagen würden, sei auch nicht ganz fern liegend. Dennoch hafte überwiegend der Versicherer für die Unfallfolgen, schon wegen der Betriebsgefahr des Mopeds.

Zudem sei der Fahrer mit 50 km/h angesichts der Umstände zu schnell unterwegs gewesen. Ein hinter dem Moped fahrender Zeuge habe ausgesagt, dass er das Mädchen auf dem Gehweg schon aus 70 Metern Entfernung gesehen habe. Also müsse auch der Mopedfahrer das Kleinkind bemerkt haben. Da müsse man mit unüberlegtem Verhalten rechnen und langsamer sowie bremsbereit fahren, um das Kind nicht zu gefährden.