"Du kommst mir nicht mehr lebend vom Hof"

Bedroht der Ehemann seine Frau mit dem Tod, kann die Ehe sofort geschieden werden

onlineurteile.de - Reibereien hatte es zwischen den Bewohnern des Bauernhofs schon zur Genüge gegeben: Zwischen dem Landwirt und seiner Frau, die 2002 geheiratet hatten. Und zwischen dem Ehemann und den Schwiegereltern, die mit auf dem Anwesen lebten. Anfang 2011 eskalierten die Streitigkeiten: Der Ehemann bedrohte die Frau wiederholt mit dem Tod und kündigte an, er werde das Wohnhaus anzünden. Nach einer wilden Prügelei zwischen Landwirt und Schwiegervater zog die Ehefrau mit ihren Eltern aus.

Dass sie sich scheiden lassen wollte, stand schon fest, als die Frau im Mai noch einmal auf den Hof fuhr, um einige Sachen abzuholen. Dort verfolgte sie ihr Ehemann mit einem erhobenen Zimmermanns-Hammer und schrie, sie werde nicht mehr "lebend vom Hof kommen".

Daraufhin beantragte die Frau beim Amtsgericht, die Ehe sofort zu scheiden — ohne das Trennungsjahr abwarten zu müssen. Das ist laut Gesetz nur möglich, wenn die Fortsetzung der Ehe für die Antragstellerin oder den Antragsteller eine unzumutbare Härte bedeuten würde. Die konnte der zuständige Amtsrichter hier nicht erkennen: Er wies den Antrag ab.

Die Beschwerde der Ehefrau gegen diesen Beschluss war beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden erfolgreich (23 UF 1041/11). Ihr Anliegen, sich sofort scheiden zu lassen, sei berechtigt, entschied das OLG. Was hier vor sich gegangen sei, sei kein normaler Ehezwist mehr. Mit einer Person verheiratet zu sein, die derart ernste Drohungen ausstoße, sei als unzumutbare Härte anzusehen.

Da die Ehefrau vor dem Eklat im Mai schon wochenlang woanders gewohnt habe, sei der Auftritt mit dem Hammer nicht mehr als "Ausraster" des Ehemannes aufgrund der ehelichen Konflikte zu bewerten. Der Todesdrohung sei kein Streit vorhergegangen. Obendrein seien Besucher auf dem Hof gewesen. Doch nicht einmal die Anwesenheit von Zeugen habe den Ehemann davon abgehalten, die Frau völlig enthemmt zu verfolgen.

Um so aufzutreten, und das sogar vor anderen Personen, müsse man entschieden gewaltbereit sein. Konsequent habe sich die Ehefrau danach an die Justiz gewandt und ein Gewaltschutzverfahren in Gang gebracht.