EC-Karte im Geldautomaten stecken lassen ...

Anschließend wurden damit 9.650 Euro abgehoben: Kartenmissbrauch Unbefugter?

onlineurteile.de - Am 5. März 2010 wollte Frau P mit ihrer EC-Karte an einem Geldautomaten ihrer Bank Geld abheben. Später berichtete sie von "Schwierigkeiten", die es dabei gab: Entweder habe sie aus Versehen die Karte stecken lassen — oder der Apparat habe die Karte nicht wieder ausgegeben und es sei ihr nicht aufgefallen. Jedenfalls habe sie nach einigen Tagen ihre EC-Karte vermisst.

Am 7. und 8. März wurden in schneller Folge 9.650 Euro vom Konto abgehoben (19 Abhebungen zu 500 Euro, 1 Mal 150 Euro). Frau P meldete den Verlust der EC-Karte am 10. März bei ihrer Bank und bei der Polizei. Von ihrem Kreditinstitut forderte sie, die abgebuchte Summe zu ersetzen, weil jemand ihre EC-Karte missbraucht habe.

Zu Recht, wie das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied (I-17 U 79/11). Wenn die Täter von der EC-Karte Doubletten anfertigten, könne man die Zahlungsvorgänge nicht der Bankkundin zurechnen. Wenn dagegen die Originalkarte mit der richtigen PIN-Nummer eingesetzt wurde, komme es darauf an: Dann müsse die Karteninhaberin glaubhaft machen, dass ein Diebstahl und Kartenmissbrauch stattgefunden habe.

Frau P habe das Gericht bei der persönlichen Anhörung davon überzeugt, dass sie das Geld nicht selbst abgehoben und ihre PIN nicht Dritten zugänglich gemacht habe. Außerdem sei ihre EC-Karte im Rahmen eines Strafverfahrens bei der Staatsanwaltschaft Duisburg aufgetaucht. Sie sei also gestohlen worden. Auf der Karte sei keine PIN notiert gewesen. Auch die Söhne von Frau P hätten ausgesagt, die PIN nicht zu kennen: Die Mutter bewahre die Nummer in einem Safe auf.

Täter könnten sich PIN-Nummern auf verschiedene Weise verschaffen. Ein Täter könne Frau P beim Eintippen der Nummer "über die Schulter geschaut" haben. Auch eine technische Manipulation sei denkbar: Manche Täter setzten eine täuschend echte Attrappe vor den Original-Geldautomaten und zeichneten eingetippte PIN-Zahlen elektro-magnetisch auf. Oder visuell mit einer in der Bank installierten Videokamera mit Teleobjektiv.

Auch dass die Abhebungen sofort nach dem Verlust der EC-Karte erfolgten, in dieser Zahl und im Minutentakt, spreche für Kartenmissbrauch. Auch wenn dies nicht mit 100-prozentiger Gewissheit feststehe, sei er doch sehr wahrscheinlich.

Den Verlust müsste Frau P auch dann selbst tragen, wenn sie mit der Karte leichtfertig umgegangen wäre. Doch dieser Vorwurf wäre übertrieben. Wenn eine Karteninhaberin beim Geld abholen vergesse, die EC-Karte aus dem Ausgabefach zu nehmen, oder wenn sie übersehe, dass der Automat sie nicht herausgebe, stelle das keine grobe Fahrlässigkeit dar, sondern sei als "Augenblicksversagen" zu bewerten.