Efeu an der Hausfassade ...

… ist kein Mangel der Mietsache, der Mieter berechtigt, die Miete zu kürzen

onlineurteile.de - Vogelfreunde hätten sich darüber wohl eher gefreut, doch: Des einen Freud, des anderen Leid! Ein Ehepaar, das in Berlin-Köpenick wohnte, konnte dem Vogelgezwitscher an der Hausfassade jedenfalls keine positive Seite abgewinnen, im Gegenteil. Der dichte Bewuchs der Fassade mit Efeu war den Mietern ein Dorn im Auge.

Sie klagten über das "dschungelartige, etwa 90 Zentimeter tiefe Dickicht", in dem sich eine Menge Ungeziefer herumtreibe. Auch Schmutz und Lärmbelästigung durch die hier nistenden Vögel seien unerträglich. Das Ehepaar kürzte wegen Mietmangels die Miete um 40 Euro monatlich. Nach einem Jahr Streit klagte die Vermieterin den Differenzbetrag ein.

Das Amtsgericht Köpenick inspizierte vor Ort die Lage und kam zu dem Schluss, dass die Tauglichkeit der Wohnung, wenn überhaupt, nur unerheblich beeinträchtigt war (12 C 384/12). Die Hausfassade sei zwar zwischen Küchen- und Schlafzimmerfenster üppig mit Efeu bewachsen, der zum Teil etwas von der Hausmauer abstehe. Einzelne Ästchen ragten vor das Schlafzimmerfenster, die könne das Ehepaar aber unschwer abschneiden.

Von Gestrüpp oder Dickicht könne keine Rede sein. Der Efeu ranke nicht so nah am Fenster, dass er Licht wegnähme. Außerdem sei er schon so dicht gewachsen, als die Mieter einzogen. Viele Menschen freuten sich an viel Grün am Haus und empfänden es gerade wegen der nistenden Vögel als Bereicherung.

Vogelgezwitscher und Vogelkot außerhalb der "vier Wände" stellten keinen Mangel der Mietsache dar. Wenn vor den Fenstern ein Straßenbaum stände, in dem Vögel nisteten, könnten sich die Mieter darüber auch nicht beschweren bzw. deshalb die Miete mindern. Spinnen und Ameisen gehörten ebenfalls zu einer so grünen Großstadt wie Berlin. Das Fliegengitter am Schlafzimmerfenster halte sie zuverlässig draußen.

Der Efeu schmälere den Wohnwert der Mietsache nicht. Er stelle also keinen Mangel dar, der das Ehepaar dazu berechtigte, die Miete herabzusetzen. Die Vermieterin habe Anspruch auf den Differenzbetrag.