Ehefrau verschollen

Kann sich der Ehemann von ihr scheiden lassen?

onlineurteile.de - Im Juni 2000 hatte das Paar geheiratet. Am 10. August verließ der Ehemann wie gewöhnlich nach dem Frühstück die Wohnung, um zur Arbeit zu fahren. Seine Frau fuhr mit dem Fahrrad zur Hochschule und kam nie wieder zurück. Alle Versuche des Ehemanns, der Familien, von Freunden und der Polizei, die Frau zu finden, blieben ohne Ergebnis. Seit ihrem Verschwinden bis heute gab es kein Lebenszeichen, niemand hatte Kontakt mit ihr. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen eingestellt und geht von einem Tötungsdelikt aus - doch bewiesen ist auch das nicht.

Auch der Ehemann glaubt, dass seine Frau nicht mehr lebt. Er hat inzwischen eine neue Partnerin gefunden, möchte diese heiraten und stellt einen Scheidungsantrag. Vor Gericht ging es im Wesentlichen um die Frage, ob man sich von einer eventuell Toten scheiden lassen kann: Das Amtsgericht Hameln fand einen Ausweg (31 F 357/04). Weder Tod noch Fortleben der Frau sei unzweifelhaft. Augenzeugen gebe es nicht, außer einem Mord sei auch eine Entführung denkbar. Die Verschwundene sei daher als verschollen anzusehen, weil ihr Aufenthalt seit gut fünf Jahren unbekannt sei.

Und das bedeute: Es werde von der Vermutung ausgegangen, dass sie lebe und damit auch Partei im Scheidungsverfahren sein könne. Im Hinblick auf die geplante erneute Heirat bestehe auf Seiten des Mannes ein berechtigtes Interesse daran, das Scheidungsverfahren zum jetzigen Zeitpunkt durchzuführen und nicht zehn Jahre zu warten, bis er die Frau für tot erklären lassen könne. Die Ehe werde geschieden, weil die Parteien seit über drei Jahren nicht mehr zusammen lebten.