Ehefrau zog zum Freund

OLG streicht Unterhalt: Eine Ehe ist auch ohne Sex noch "intakt"

onlineurteile.de - Kurz nach der Silberhochzeit verließ die Ehefrau ihren Mann und zog zu ihrem Freund, mit dem sie einige Wochen vorher eine intime Beziehung begonnen hatte. Von ihrem Mann verlangte sie monatlich 769 Euro Trennungsunterhalt. Im Scheidungsprozess ging es im Wesentlichen darum, ob die Frau ihren Anspruch auf Unterhalt durch den "Ausbruch aus einer intakten Ehe verwirkt" hat.

Die Ehefrau bestritt dies: Die Ehe sei zerrüttet gewesen, schon seit neun Jahren hätten sie keinen Sex mehr gehabt. Dieses Argument ließ das Oberlandesgericht Zweibrücken nicht gelten: Das sei kein entscheidendes Indiz für das Scheitern einer Ehe (2 UF 102/08). Eine harmonische Lebensgemeinschaft mit gegenseitiger Verantwortung füreinander bedürfe nicht unbedingt eines aktiven Sexuallebens.

Zudem sei bei dem (mittlerweile vorzeitig pensionierten) Beamten vor einigen Jahren Darmkrebs festgestellt worden. Infolge der damit verbundenen Operation sei ihm Geschlechtsverkehr schon aus physischen Gründen unmöglich gewesen. Dass es schon vor und unabhängig von ihrer neuen Beziehung "massive Eheprobleme" gab, habe die Ehefrau zwar behauptet, aber nicht belegt.

Außerdem gäben Spannungen und Probleme einem Ehepartner nicht das Recht, einerseits die eheliche Treue aufzukündigen und andererseits auf eheliche Solidarität in Form von Unterhalt zu pochen. Bewusst und einseitig habe sich die Frau aus der ehelichen Bindung gelöst, anders könne man ihr Verhalten nicht bewerten. Da ihr Fehlverhalten für das Scheitern der Ehe ursächlich war, entfalle der Anspruch auf Unterhalt.