Ehemann verschwieg der Frau HIV-Infektion

Keine Chance mehr auf ein gemeinsames Sorgerecht für die Tochter

onlineurteile.de - Bevor sie den aus Afrika stammenden Mann heiratete, hatte ihm die Frau ein paar sehr ernste Fragen gestellt. Eine davon war, ob sich der Mann je einem Aidstest unterzogen hatte. Aber klar, versicherte er, schließlich sei er Leistungssportler und achte sehr auf seinen Körper. Auf HIV habe er sich sogar regelmäßig testen lassen. Die beiden heirateten und kurze Zeit später kam eine Tochter zur Welt.

Einige Jahre später kam es heraus: Schon 1998 hatte der Mann erfahren, dass er HIV-positiv war - drei Jahre vor der Hochzeit. Die Frau verlangte deshalb die Scheidung. Der Mann akzeptierte, dass die Tochter bei der Frau blieb, und beantragte das gemeinsame Sorgerecht: Schließlich habe er sich bisher fast allein um das Kind gekümmert, weil seine Frau ganztags arbeitete.

In diesem Fall sei es für die Frau unzumutbar, das Sorgerecht gemeinsam mit ihrem Ex-Mann auszuüben, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt (4 UF 112/05). Zwar seien Eltern grundsätzlich verpflichtet, zum Wohl des Kindes einen Konsens zu finden und zu kooperieren. Bei so einem gravierenden Missbrauch des Vertrauens unter Eheleuten sei es aber verständlich, wenn die Frau jeden Kontakt zum Ex-Mann ablehne.

Trotz ausdrücklicher Nachfrage eine lebensgefährliche und ansteckende Krankheit zu verschweigen, verstoße gegen fundamentale Interessen der ganzen Familie und zerstöre jede Vertrauensbasis. Die Frau wolle deshalb mit dem Vater ihrer Tochter nicht mehr als nötig kommunizieren. Unter solchen Umständen sei eine gemeinsame Sorge im Alltag gar nicht praktikabel.