Eifersüchtiger "Angreifer"

Nebenbuhler fährt bei seinem Anblick in Panik das Auto rückwärts an einen Baum

onlineurteile.de - Autofahrer A brachte nach einem Abend in der Disco gegen 2.30 Uhr früh seine neue Freundin K nach Hause. Bei laufendem Motor verabschiedete er sich von ihr. Während dessen kam K‘s Ex-Freund M, bei dem sie noch wohnte, aus der Haustüre. Barfuß und mit freiem Oberkörper, obwohl es Januar war. M lief auf das Auto zu. Da legte A den Rückwärtsgang ein und fuhr langsam an. M riss die Fahrertür auf. A fuhr unbeirrt rückwärts, auch als die Fahrertür gegen einen Laternenpfahl prallte.

M stieß ebenfalls gegen den Pfahl und blieb dann stehen. Trotzdem fuhr A immer weiter rückwärts, streifte einen geparkten Wagen und landete schließlich an einem Baum. Die Reparatur des Autos kostete rund 5.000 Euro. Dafür forderte er von M Schadenersatz. Begründung: Weil der ihm so zusetzte, habe er versucht, der Attacke durch Wegfahren zu entkommen. Also sei M für den Unfall verantwortlich.

Diese Ansicht teilte das Oberlandesgericht Saarbrücken nicht (8 W 182/11). Wenn jemand so bedroht werde, dass er sich in Panik selbst schädige — z.B. aus Angst von einem Balkon springe und verletze —, hafte dafür der Aggressor. Vorausgesetzt, er habe eine der Drohung angemessene Reaktion des Bedrohten geradezu herausgefordert. A’s wilde Flucht sei aber nicht M anzukreiden.

A habe völlig überzogen und unvernünftig reagiert. Es sei nicht nachvollziehbar, warum er blindlings sein Auto zurücksetzte und sogar nach der Kollision mit dem Laternenpfahl noch weitere 40 Meter rückwärts fuhr, bis er gegen den Baum prallte. Offenbar habe das Erscheinen von M bei A eine Panik ausgelöst. Dabei musste er gar nicht befürchten, dass M ihn körperlich angreifen wollte.

Allein der Umstand, dass der Ex-Freund von K barfuß und mit nacktem Oberkörper angerannt kam, belege keinesfalls dessen "unbedingte Bereitschaft, Gewalt anzuwenden", wie A meine. Das bringe nur zum Ausdruck, wie aufgewühlt M gewesen sei. Der eifersüchtige Mann habe den Konkurrenten zur Rede stellen wollen und aufgeregt die Fahrertüre aufgerissen. Das sei kein Angriff, an dem gemessen A’s Reaktion als verständlich und adäquat zu bewerten wäre.