Eigentumswohnung bezugsfertig?

Ein Wohnungskäufer kann das Geschäft stornieren, wenn der Bauträger mit der Fertigstellung "in Verzug" ist

onlineurteile.de - Der Bauträger wurde mit der exklusiven Eigentumswohnung am Elbufer in Dresden nicht zum geplanten Termin fertig. Nachdem der Käufer ihm vergeblich eine Frist zur Fertigstellung gesetzt hatte, trat er vom Kauf zurück. Dazu war er berechtigt, entschied das Oberlandesgericht Hamm, und wies die Klage des Bauträgers ab (24 U 150/04). Angesichts des Stands der Dinge sei es sogar überflüssig gewesen, eine Frist zu setzen. Immerhin sei die Wohnung statt im November 1996 erst im Frühling 1997 bezugsfertig geworden.

Für den Käufer einer Eigentumswohnung sei der Bezug erst dann zumutbar, wenn auch die restlichen Wohnungen in der Anlage soweit fertig gestellt seien, dass er nicht mehr mit erheblichem Baulärm und Staub rechnen müsse. Zumindest müssten die Wände verputzt, der Estrich gelegt und Eingangstüren eingebaut sein. Auch Fahrstuhl, Treppenhaus, Tiefgarage und Keller müssten benutzbar, Klingelanlage und Briefkastenanlage funktionsfähig sein.

Im November 1996 hätten im Treppenhaus des Gebäudes jedoch noch Schläuche gelegen und der Wärmedämmputz an den Außenwänden sei noch nicht aufgebracht gewesen. Gerade im Winter komme es dann an den Betonteilen an der Außenwand zum Niederschlag von Feuchtigkeit und zu Schimmel. Auch die Fenster- und Balkontüranschlüsse könnten vor der Verputzung nicht hergestellt und die Außenjalousien nicht eingebaut werden. Wäre der Käufer damals eingezogen, hätte er all diese Arbeiten im Frühjahr erdulden müssen - dafür sei das ganze Gebäude nochmals eingerüstet worden.

Ohne Wärmeputz am Gebäude sei eine Eigentumswohnung grundsätzlich nicht "bezugsfertig". Der Bauträger sei also im November 1996 mit der Fertigstellung der Immobilie eindeutig "in Verzug" gewesen. Unter diesen Umständen könne der Käufer das Geschäft rückgängig machen.