Ein "fabrikneues" Auto ...

... darf nicht länger als ein Jahr auf Halde gestanden haben

onlineurteile.de - Im Juni 2000 bestellte ein Kunde bei einem Autohaus ein Ford Coupé zum Preis von 53.595 DM (rund 27.000 Euro). Als er das Auto in Empfang nahm, stellte er fest, dass es am 30. November 1998 produziert worden war. Da war die Enttäuschung groß. Zwar war das Modell in der Zwischenzeit technisch nicht geändert worden. Doch unterschied sich der gelieferte Wagen in Kleinigkeiten von den neuen Exemplaren (andere Sitzbezüge, anderes Radio). Entgegen der Zusicherung im Kaufvertrag sei das Fahrzeug nicht mehr "fabrikneu", beanstandete der Käufer, und forderte vom Autohändler, den Kauf rückgängig zu machen.

Zu Recht, entschied der Bundesgerichtshof (VIII ZR 227/02). Sobald ein Wagen die Fabrik verlasse, beginne der Alterungsprozess durch "Materialermüdung, Oxydation und andere physikalische Veränderungen". Das gelte selbst dann, wenn das Fahrzeug unter optimalen Bedingungen gelagert werde. Daher sei eine lange Standdauer für den Neuwagenkäufer ein "wertmindernder Faktor".

Da der Kaufvertrag erst 19 Monate nach Herstellung des Wagens abgeschlossen wurde, hätte der Händler das Fahrzeug nicht mehr als "fabrikneu" bezeichnen dürfen. "Fabrikneu" sei ein Auto nur dann, wenn und solange das Modell unverändert weitergebaut werde, wenn es keine durch die Standzeit bedingten Mängel aufweise und wenn zwischen der Produktion des Autos und dem Abschluss des Kaufvertrags höchstens 12 Monate lägen.