Ein "Hauch von Gülle" zog durchs Dorf ...

Verschwiegen die Hausverkäufer arglistig einen erheblichen Mangel?

onlineurteile.de - Ein Walmdachbungalow lag mitten in einem Dorf mit 160 Einwohnern und drei Bauernhöfen. Nicht weit vom Haus entfernt befand sich ein (mittlerweile geschlossener) Schweinemastbetrieb. 1994 hatte ein Ehepaar den Bungalow gekauft. Bei der Hausbesichtigung hatten sich die Käufer beim Eigentümer nach der Geruchsbelästigung im Ort erkundigt. "Zwei bis dreimal im Jahr stinkt es", erklärte der Verkäufer, "immer wenn Gülle gefahren wird". Dies sei arglistige Täuschung gewesen, warfen ihm später die unzufriedenen Hauskäufer vor. Mehrmals die Woche habe die Schweinemästerei üblen, ekelerregenden Güllegestank ausgedünstet. Als Entschädigung verlangten die Käufer ein Sechstel des Kaufpreises von 480.000 Mark zurück, also 80.000 Mark.

Doch das Oberlandesgericht Schleswig winkte ab (4 U 84/97). Die Verkäufer hätten die "Immissionen" durch die Schweinemast weder verschwiegen noch kleingeredet. Auf dem Land müsse man natürlich mit ländlichen Gerüchen rechnen. Geruchsbelästigung sei außerdem nur schwer messbar, das Ausmaß der Beeinträchtigung hänge auch von der subjektiven Empfindlichkeit der Betroffenen ab. Jedenfalls hätten Messungen ergeben, dass es in dem Dorf nur während 10 Prozent der Jahresstunden nach Gülle rieche. Das sei - auf dem Land - keine wesentliche Störung, die einen Anspruch auf Schadenersatz rechtfertigte.