Ein Mädchen namens "Kiran"

Eltern dürfen ihrem Kind auch einen Namen geben, der nicht eindeutig auf sein Geschlecht hinweist

onlineurteile.de - Eine deutsche Staatsangehörige indischer Abstammung heiratete einen Inder. Das Paar gehört der Religionsgemeinschaft Hindu an und lebt im bayerischen Memmingen. Als die Eheleute ein Kind bekamen, wollten sie das Mädchen "Kiran" nennen. Das lehnte der Standesbeamte ab, weil dieser Vorname das Geschlecht des Kindes nicht erkennen lasse. Die Eltern sollten einen zweiten Namen hinzufügen, der eindeutig auf das Geschlecht hinweise. Vergeblich klagten die Eltern gegen diese Abfuhr der Behörde.

Nach langem juristischen Tauziehen landete die Angelegenheit beim Bundesverfassungsgericht, das sich auf die Seite der Eltern stellte (1 BvR 576/07). Ein Vorname helfe dem Kind, seine Identität zu finden und seine Individualität zu entwickeln. In der Wahl des Namens seien Eltern grundsätzlich frei. Dieses Recht werde nur eingeschränkt, wenn das Kindeswohl auf dem Spiel stehe.

Die Gerichte hätten ihre Ablehnung des Namens "Kiran" auf Dienstanweisungen für Standesbeamte gestützt. Das seien jedoch Verwaltungsvorschriften ohne Gesetzescharakter. Der Gesetzgeber habe nie bestimmt, dass nur Vornamen ins Geburtsregister einzutragen seien, die das Geschlecht eindeutig bezeichneten. Nach dem Vortrag der Eltern trügen in Indien männliche und weibliche Personen den Namen "Kiran". Es gebe keinen Grund, warum das Mädchen diesen Namen nicht erhalten sollte.