Ein Recht auf die Großmutter…

…gibt es nicht, aber einen Anspruch auf Auskunft über Namen und Anschrift

onlineurteile.de - Die Peruanerin erzog ihre fünfjährige Tochter alleine. Der deutsche Vater zahlte zwar Unterhalt, doch der Kontakt zum Kind war schon lange "eingeschlafen". Als er ihn wieder beleben wollte, bat ihn seine Ex-Freundin darum, auch Kontakt zu seiner Mutter herzustellen.

Das Mädchen sei so traurig, so gar keine Familie zu haben, erklärte die junge Mutter dem Familiengericht. Im Kindergarten höre die Tochter oft, wie andere Kinder von ihren Erlebnissen mit Opa und Oma erzählten. Dann frage sie nach ihren Großeltern. Ihre Eltern seien weit weg in Peru, doch vielleicht könnte das Kind die Großmutter väterlicherseits mal besuchen?

Die Antwort des Vaters fiel schroff aus: Seine Mutter habe schon genügend Enkelkinder und wünsche keinen Kontakt. Davon wollte sich die Ex-Freundin selbst überzeugen, doch er rückte Namen und Adresse der Mutter nicht heraus.

Das Mädchen habe ein Recht darauf zu erfahren, wie die Großmutter heiße und wo sie wohne, entschied das Amtsgericht Lüdinghausen (14 F 76/12). Jede Person habe das Recht, über ihre "Wurzeln" bzw. Abstammung Bescheid zu wissen. Dieses Recht müsse der Staat schützen und dazu seien auch die Eltern verpflichtet. Wenn das Kind unbedingt seine Oma kennen lernen möchte, dann müsse es diese Chance bekommen.

Man könne die Großmutter natürlich nicht dazu zwingen, das wäre auch für das Kind nicht gut. Aber Mutter und Enkelin müssten wenigstens die Möglichkeit bekommen, selbst festzustellen, ob die Großmutter den Kontakt tatsächlich so entschieden ablehne, wie es der Vater behaupte. Trotz ihres hohen Alters und ihrer angegriffenen Gesundheit sei es der Großmutter zuzumuten, die Bitte um einen Besuch persönlich zurückzuweisen.

Wenn der Mann seine Mutter wirklich über das nichteheliche Kind informiert habe, dürfte er mit der Herausgabe persönlicher Daten wohl kaum derartigen Groll auf sich ziehen, dass es sein Verhältnis zur Mutter ernsthaft belastete. Außerdem könnte ihm auch etwas zustoßen, ein Unfall zum Beispiel. Würde er vor der Mutter sterben, könnte seine Tochter Unterhalts- und Erbschaftsansprüche geltend machen. Und müsste mit viel Aufwand nach der Großmutter suchen. Da sei es doch viel einfacher, wenn er dem Kind jetzt schon Namen und Adresse verrate.