Ein WEG-Verwalter muss neutral sein

Beleidigt er einen Eigentümer als Querulanten, ist die Wiederwahl des Verwalters hinfällig

onlineurteile.de - In der Eigentümerversammlung war die Wohnungsverwalterin X-GmbH mit Mehrheit für weitere fünf Jahre als WEG-Verwalterin bestätigt worden (juristisch: sie wurde wieder bestellt). Doch ein Eigentümer focht den Beschluss an, weil ihn der Geschäftsführer der X-GmbH bei einer Auseinandersetzung im Beisein anderer Eigentümer als Querulanten bezeichnet hatte.

Das Landgericht Lüneburg erklärte den Beschluss, die X-GmbH wieder zu bestellen, für unwirksam (5 S 36/11). Der Geschäftsführer habe zwar nur ausgesprochen, was die Wohnungseigentümer (privat und vor Gericht) ebenfalls darlegten: Der betreffende Eigentümer sei ein "schwieriger" Zeitgenosse, was sich an seinen vielfältigen Eingaben zeige (wie auch an seiner Stellungnahme zu diesem Verfahren, die mit dem zu entscheidenden Tatbestand sehr wenig zu tun habe).

Aber ein WEG-Verwalter müsse auch mit schwierigen Eigentümern zurechtkommen, ohne sie zu beleidigen. Verwalter müssten uneigennützig und neutral alle Wohnungseigentümer vertreten und deren Entscheidungen umsetzen. Es stehe einem Verwalter nicht zu, einzelne oder mehrere Eigentümer zu kritisieren oder gar zu beleidigen. Letzteres sei ein Grund, ihn abzuberufen.

Bezeichne ein Verwalter einen Eigentümer als Querulanten, werte er dessen Anträge und Äußerungen in unsachlicher Weise ab und stelle ihn als Person bloß, indem er ihm eine krankhafte Psyche attestiere. Auf diese Weise grenze der Verwalter den Betroffenen aus der Gemeinschaft der Eigentümer aus und dokumentiere seine mangelnde Neutralität.

Daher könne er künftig nicht mehr als Treuhänder dieses Eigentümers handeln. Dass die anderen Wohnungseigentümer die Einschätzung des Verwalters teilten und den unbeliebten Eigentümer ebenfalls ausgrenzten, ändere daran nichts. Auch ein vermeintlicher oder wirklicher Querulant habe Anspruch auf ordnungsgemäße Verwaltung.