Elternstreit um Achtjährigen

Gericht entzieht den Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht

onlineurteile.de - Seit sich die Eltern 2007 getrennt hatten, gab es ständig Streit um den Sohn. Zwischendurch raufte sich das Ex-Paar mal zusammen und einigte sich auf ein Wechselmodell (eine Woche bei der Mutter, eine Woche beim Vater). Doch das ging nicht lange gut. Schließlich beantragten Vater und Mutter beim Familiengericht jeweils für sich das Recht, allein über den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen.

Das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg lehnte dies ab, weil die gravierenden Kommunikationsprobleme zwischen den geschiedenen Eheleuten das Kindeswohl gefährdeten (13 UF 41/09). Das OLG entzog statt dessen beiden Elternteilen das Aufenthaltsbestimmungsrecht für den Jungen und übertrug es dem Jugendamt.

Dieser Eingriff ins Elternrecht sei gerechtfertigt, so das OLG, weil die Eltern das Sorgerecht missbrauchten, um ihren Paarkonflikt auf Kosten des Kindes auszutragen, und dabei dessen Bedürfnisse ignorierten. Der Sohn habe zu Vater und Mutter eine intensive Beziehung und wünsche sich nichts mehr, als dass die Eltern sich einigten und er abwechselnd mit beiden zusammen sein könne.

Der Junge leide sehr unter dem Konflikt, habe sich darüber viele Gedanken gemacht und einen Aufenthaltswechsel immer für den Montag vorgeschlagen: Da könne er allein zum Schulbus gehen, damit die Eltern nicht aufeinander träfen. Das Jugendamt als neutraler Dritter solle nun endlich dem Willen des Jungen Geltung verschaffen und eine dauerhafte Lösung finden. In engem Kontakt mit den Eltern müsse das Jugendamt entscheiden, in welchem Rhythmus sich das Kind in den Haushalten aufhalten solle.