Enterbter Sohn ficht Testament der Mutter an ...

... und "vergisst" darüber, vom Bruder seinen Pflichtteil zu verlangen

onlineurteile.de - Die 1999 verstorbene Mutter hatte Sohn A im Testament als Alleinerben eingesetzt, Sohn B enterbt. Kaum war die Mutter begraben, behauptete B, das Testament sei gefälscht. Das Nachlassgericht widerlegte dies durch ein Gutachten. Trotzdem beantragte B einen Erbschein: Die Mutter sei nicht mehr testierfähig gewesen, trug er nun vor. Der Antrag wurde abgewiesen. Immer wieder versuchte B, seine Stellung als Miterbe vor Gericht durchzusetzen.

B kämpfte so verbissen um das Erbe, dass er es versäumte, sich den Teil des Vermögens zu sichern, der ihm zustand: den Pflichtteil. Erst im Juni 2005 forderte er per Mahnbescheid vom Bruder den Pflichtteil. Zu spät, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf, sein Anspruch sei verjährt (7 U 2/07). Drei Jahre lang könne ein Pflichtteilsberechtigter seinen Anspruch auf den Pflichtteil gegen den oder die Erben geltend machen, so das OLG.

Die Verjährungsfrist beginne zu laufen, sobald der Pflichtteilsberechtigte erfahre, dass er enterbt sei und nur den Pflichtteil erhalte. Wenn er daraufhin einen Erbschein einklage und die Gültigkeit des Testaments anzweifle, ändere das am Ablauf der Verjährungsfrist nichts. Sonst könnte ja jeder enterbte Angehörige, indem er Bedenken anmelde, die Drei-Jahres-Frist beliebig ausdehnen.

Nur wenn begründete Zweifel am Testament bestünden, verwickelte oder zweifelhafte Rechtsfragen geklärt werden müssten, verschiebe sich der Beginn der Verjährungsfrist. Spätestens im Frühjahr 2001 sei aber die Rechtslage klar gewesen: Da sei der erste Prozess um den Erbschein zu Ungunsten von B entschieden und die von ihm vorgetragenen Zweifel "objektiv ausgeräumt" worden. Sein Anspruch sei daher seit Frühjahr 2004 verjährt. B hätte (im Prozess um den Erbschein) einen "Hilfsantrag auf Feststellung des Pflichtteilsanspruchs" stellen müssen, um ihn nicht zu verlieren.