Entwöhnter Raucher wird depressiv

Hersteller des Entwöhnungsmittels muss keinen Schadenersatz zahlen

onlineurteile.de - Es ging um ein Mittel zur Entwöhnung nikotinabhängiger Patienten. Zyban ist in Deutschland erst seit Sommer 2000 zugelassen, vorher waren aber schon ca. fünf Millionen Raucher weltweit damit behandelt worden. Kaum hatte eine Münchner Firma das Mittel hierzulande auf den Markt gebracht, bekam es ein starker Raucher von seinem Hausarzt verschrieben.

Im Juli und August 2000 nahm er es sechs Wochen lang ein und fühlte sich in dieser Zeit richtig gut. Doch ab Mitte September traten Nervosität und Schlafstörungen auf, im Dezember wurden die Probleme dann massiv: Weinkrämpfe, Durchfall, Aggressionen, Wahrnehmungsstörungen, akute Migräne und Herzrasen plagten den Mann. Ein halbes Jahr lang war der Patient arbeitsunfähig und führte seine Probleme auf die Einnahme des Raucherentwöhnungsmittels zurück.

Das Pharma-Unternehmen verwies auf die Packungsbeilage, in der alle Nebenwirkungen des Präparats klar und deutlich beschrieben seien, auch Depressionen. Aber in diesem Fall könnten sie nicht durch Zyban ausgelöst worden sein, denn sie seien ja erst aufgetreten, als der Patient das Mittel schon sechs oder sieben Wochen lang abgesetzt hatte. Der Münchner verklagte die Herstellerfirma auf Schmerzensgeld, konnte sich beim Landgericht München I aber nicht durchsetzen (32 O 20407/02).

Denn ein medizinischer Sachverständiger bestätigte die Argumentation des Unternehmens und bezweifelte, dass die Zyban-Therapie etwas mit den gesundheitlichen Störungen des Mannes zu tun hatte. Depressive Störungen als Folge der Therapie seien zwar häufig zu beobachten, erklärte der Gutachter, aber nur unmittelbar, nachdem das Medikament abgesetzt wurde. Psychiatrische Erkrankungen durch Zyban könne man ausschließen. Viele Wissenschaftler betrachteten umgekehrt Zyban als Antidepressivum, das sich vor allem für Patienten mit psychiatrischen Problemen eigne.