Erbschaftssteuer wird fällig ...

... sobald ein Pflichtteilsanspruch geltend gemacht wird

onlineurteile.de - Ob er überhaupt etwas von seinem Pflichtteil sehen würde, war lange Zeit unklar. Nachdem sein Vater gestorben war, stritt sich der Mann mit dessen Lebensgefährtin und Alleinerbin herum. Freiwillig würde sie nichts herausrücken, so viel stand bald fest. Deswegen beauftragte der Mann 1995 zwei Anwälte, die sich um die Angelegenheit kümmern sollten. Die beiden wurden gleich aktiv und schickten der Dame einen Brief, um die "Pflichtteilsansprüche ihres Mandanten geltend zu machen".

1998 einigten sich die Parteien schließlich, der Sohn erhielt einen Pflichtteil von 400 000 DM. Bald darauf schlug das Finanzamt zu und forderte Erbschaftssteuer. Die Anwälte wunderten sich: Schließlich war der Freibetrag doch im Jahr 1996 von 90.000 DM auf 400.000 DM erhöht worden. Damit müsste ihr Mandant doch aus dem Schneider sein - oder?

Doch das Finanzamt verwies darauf, dass die Anwälte den Pflichtteil schon 1995 gefordert hatten. Die Erbschaftssteuer wird fällig, sobald ein Pflichtteilsanspruch geltend gemacht wird, bestätigte der Bundesfinanzhof (II R 1/05). Das gelte sogar dann, wenn dessen Höhe noch unklar sei.

Wenn durch einen Todesfall ein Pflichtteilsanspruch entstehe, falle das nicht automatisch in eins damit, dass die Kinder Erbschaftssteuer zahlen müssten. Wer seinen Anspruch zunächst nicht oder auf Dauer nicht erhebe, bleibe vom Finanzamt verschont. Wer jedoch vom Erben ernsthaft den Pflichtteil verlange und auf Auszahlung bestehe, bekomme es sofort mit dem Finanzamt zu tun.

Fazit: Pflichtteilsberechtigte sollten erst die Lage prüfen (Höhe des Vermögens, Leistungsfähigkeit des Erben etc.) und nicht vorschnell den Pflichtteil verlangen. Manchmal ist es günstiger, gegen Abfindung auf den Pflichtteil zu verzichten. Am besten verlangt man zunächst nur Auskunft über die Höhe des Anspruchs, dafür fällt noch keine Erbschaftssteuer an.