"Erde geht im Grundstück auf"

Streit um Erde in einem Münchner Schrebergarten

onlineurteile.de - Eine Münchnerin hat von der Landeshauptstadt ein Grundstück in einem Schrebergarten gepachtet. Da es relativ groß war, bepflanzte sie es gemeinsam mit Bekannten. Das Ehepaar übernahm die Hälfte der Pacht. Es brachte etliche Kubikmeter so genannten Mutterbodens in den Schrebergarten, um die Erde für Blumen- und Gemüsebeete zu verwenden.

Nach einem Streit warf die Münchnerin ihre Bekannten hinaus und verbot ihnen, das Grundstück zu betreten. Ihre Pflanzen nahmen sie mit. Anschließend führte die Pächterin auf dem Grundstück Grabungsarbeiten durch. Nun forderten die Bekannten 1.000 Euro Schadenersatz für die Erde: Die gehöre ihnen nach wie vor, die Pächterin hätte sie eigentlich herausgeben müssen. Das sei nun wegen der Grabungen nicht mehr möglich. Die Münchnerin zahlte nicht und ließ es auf einen Rechtsstreit ankommen.

Das Amtsgericht München stellte sich auf ihre Seite (212 C 13616/07). Wer Erde auf einem Grundstück verteile, verliere sein Eigentum daran, erläuterte die Amtsrichterin. Bei Erde handele es sich um Material, das im Grundstück aufgehe und davon nicht zu trennen sei. Selbst wenn neue Erde anfangs farblich vom Boden zu unterscheiden sei, vermische sie sich doch schnell mit dem Untergrund, weil sie letztlich aus vielen einzelnen Körnern bestehe. Darin unterscheide sie sich von Pflanzen, die genau definierbar seien - und deshalb Eigentum des Pflanzenden bleiben.